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Wahrnehmung: Dominante Hand dient uns als "Zollstock"

Wer ein Rechtshänder ist, der schreibt nicht nur mit der rechten Hand, sondern nutzt sie automatisch auch als Größenmaßstab für seine Umgebung. So interpretieren zumindest Forscher von der Lancaster University die Ergebnisse ihrer mehrteiligen Versuchsreihe.
Zollstock

Die meisten Menschen nutzen häufiger die Rechte, manche aber auch die Linke – bei feinmotorischen Tätigkeiten geben wir in aller Regel einer Hand den klaren Vorzug. Diese so genannte dominante Hand bestimmt dabei allerdings nicht nur, auf welcher Seite wir Stift oder Messer halten. Sie dient offenbar auch als eine Art Zollstock für unsere Wahrnehmung, mit dessen Hilfe wir die Welt um uns herum vermessen. Das entdeckten nun Forscher um Sally Linkenauger von der Lancaster University.

In fünf verschiedenen Experimenten beobachteten sie, was passiert, wenn unsere dominante Hand optisch plötzlich wächst. Dazu baten sie ihre Probanden, ihren Arm unter ein Vergrößerungsglas zu legen und anschließend einzuschätzen, wie viel dieser so betrachtet an Größe zugelegt hatte. Unter gleichen Bedingungen sollten die Versuchsteilnehmer auch andere Körperteile oder Gegenstände bewerten – etwa ihren rechten Fuß, die andere Hand, Arm oder Fuß des Versuchsleiters oder einen Stift. So stellten die Wissenschaftler fest: Bei ihrer dominanten Hand empfanden die Probanden den Vergrößerungseffekt stets als schwächer, dabei waren alle Gliedmaßen und Objekte gleichermaßen um 18 Prozent vergrößert worden. Selbst wenn die Teilnehmer wussten, dass sie den ganzen Versuch hinweg durch dasselbe Vergrößerungsglas schauten, beharrten sie auf dem Eindruck, dass sich an ihrer Hand nicht viel verändert hätte.

Linkenauger und ihr Team sehen das als Beweis dafür an, dass unsere dominante Hand offenbar eine Art Größenskala für unsere nähere Umgebung darstellt. Sie erklären sich den Effekt folgendermaßen: Um die Welt um uns herum vermessen zu können, sind wir auf einen Maßstab angewiesen, der auch für unser alltägliches Leben etwas taugt und uns direkt verrät, was wir mit einem Objekt so alles anfangen können. Unsere Hände sind dafür ein ganz guter Anhaltspunkt, denn so sehen wir beispielsweise direkt, ob wir einen Gegenstand noch mit der Faust umschließen können oder ob er eher zu groß ist, um ihn überhaupt noch greifen zu können.

Unsere dominante Hand nutzen wir besonders häufig, um mit unserer Umwelt zu interagieren – und das macht sie zur perfekten Messlatte. Ihre Größe sei dementsprechend für uns festgeschrieben, argumentieren Linkenauger und Kollegen. Ändert sich schließlich das Größenverhältnis zwischen Hand und Umgebung, dann gehen wir eher davon aus, dass der Rest kleiner geworden ist – und nicht etwa die Hand größer.

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