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Doom: Ein Kultspiel prägt die Wissenschaft

Das Computerspiel Doom wurde nicht nur zum Meme, sondern hat auch zu wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen beigetragen. Es lief bereits auf Bakterien, Neuronen und Satelliten.
Ein Bildschirmfoto eines klassischen Egoshooter-Videospiels, das auf einem Monitor angezeigt wird. Im Vordergrund ist eine Hand auf einer Tastatur zu sehen, die das Spiel steuert. Auf dem Bildschirm ist ein Spielcharakter in einer futuristischen Umgebung zu erkennen, der eine Waffe abfeuert. Unten auf dem Bildschirm sind Statusanzeigen für Munition, Gesundheit und Rüstung zu sehen. Das Bild vermittelt eine aktive Spielszene.
Doom handelt von fehlgeschlagenen Teleportationsexperimenten auf den Marsmonden Phobos und Deimos, durch die sich ein Portal zur Hölle öffnet. Dämonen besetzen die Forschungseinrichtungen, und der Spieler muss sie bekämpfen.

Das 1993 erschienene Computerspiel »Doom« hat als eines der ersten Ego-Shooter-Spiele schnell Kultstatus erlangt. Sogar in die Wissenschaft zog Doom ein: So hat es zur Verbesserung von KI-Modellen beigetragen oder zur Untersuchung der Auswirkungen von Videospielen auf Gedächtnis und Aggressionsverhalten. Zudem hat sich eine Subkultur gebildet, in der Fans und Entwickler versuchen, das Spiel auf verschiedensten Geräten zum Laufen zu bringen – von Taschenrechnern bis hin zu digitalen Schwangerschaftstests. Die Frage »Can it run Doom?« ist zu einem beliebten Internet-Meme geworden.

Im Februar 2026 gab das Biotechnologieunternehmen Cortical Labs in Melbourne bekannt, das Spiel auf Neuronen ausgeführt zu haben, die auf einem Siliziumchip gezüchtet wurden. Laut Alon Loeffler, der am Experiment beteiligt war, hat sich das Team wegen der Memes für Doom entschieden. Fünf Jahre zuvor hatten sie Neuronen beigebracht, das Videospiel Pong zu spielen. Doom sei durch seine komplexere Umgebung der logische nächste Schritt gewesen, sagt er.

Die Subkultur rund um Doom spiegelt die entscheidende Rolle des Spielens in der Wissenschaft wider, stellt die Softwareentwicklerin Mars Buttfield-Addison von der University of Tasmania fest. Beim Spielen nutzen Menschen dieselbe Art von Kreativität, die auch zur Lösung wissenschaftlicher Probleme benötigt wird. »Etwas Albernes zu erschaffen, erfordert nicht weniger Arbeit als etwas wirklich Technisches.«

Doom ist nicht das einzige Videospiel, das seinen Weg in die Forschung fand. Auch Minecraft wurde zur Entwicklung und zum Testen von KI-Modellen genutzt, und mit World of Warcraft haben Forschende Krankheitsausbrüche simuliert. Doch Doom ist für die Wissenschaft besonders attraktiv, da der Entwickler John Carmack den Programmcode 1997 online veröffentlichte. Dadurch lässt sich das Spiel so anpassen, dass es auch auf anderen Plattformen oder Geräten läuft.

Doom läuft auf Bakterien und Satelliten

Auch die Biologin Lauren Ramlan vom Massachusetts Institute of Technology hat Doom in ihre Forschung integriert. 2023 nutzte sie Escherichia-coli-Bakterien, um einige Bilder aus Doom darzustellen. Sie fügte den Bakterienzellen ein fluoreszierendes Protein hinzu, das sich ein- und ausschalten ließ, wodurch sie sich wie Schwarz-Weiß-Pixel auf einem Bildschirm verhielten. Anschließend komprimierte sie Doom-Bilder in schwarz-weißen Versionen, die zur Platte passten, auf der die Zellen wuchsen. Laut Ramlan hat das Projekt gezeigt, wozu Lebewesen technisch in der Lage sind. Bakterien seien aber eher nicht für die Datenverarbeitung oder die Darstellung von Bildern geeignet – das erfordere zu viel Zeit: Um einen kompletten Spieldurchlauf darzustellen, bräuchte man etwa 600 Jahre.

Im Jahr 2023 ließ ein anderes Forschungsteam Doom auf einem Nanosatelliten der Europäischen Weltraumorganisation laufen. Der Satellit namens OPS-SAT-1 war als »fliegendes Labor« für Software-Experimente konzipiert. Als sich das Ende seiner Mission näherte, modifizierten der Ingenieur Georges Labrèche und der Softwareentwickler Ólafur Waage den Code von Doom, um zu testen, ob Weltraumstrahlung die Schaltkreise des Satelliten beschädigt hatte. In diesem Fall hätte das Spiel nämlich nicht wie erwartet funktioniert. Da Doom jedoch einwandfrei lief, lagen keine Schäden vor. Labrèche zufolge hat das Experiment gezeigt, dass es möglich ist, auf einem Satelliten in der Umlaufbahn kontinuierlich Softwaretests durchzuführen – ein Konzept, das bislang völlig unerforscht war.

Doom treibe nicht nur die Forschung voran, sondern begeistere auch die Öffentlichkeit für Wissenschaft, so Labrèche. Sein Team habe viel wichtige Arbeit an Satelliten geleistet, aber keine dieser Forschungen habe so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie das Doom-Experiment. »Öffentlichkeitsarbeit ist für Weltraumagenturen existenziell, daher sind Schlagzeilen von unschätzbarem Wert.«

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  • Quellen

De Wynter, A., IEEE Transactions on Games 10.1109/TG.2024.3497601, 2024

Krcmar, M. et al., Computers in Human Behavior 10.1016/j.chb.2010.09.005, 2011

Schipper, O. et al., 2025 IEEE Conference on Games (CoG) 10.1109/CoG64752.2025.11114387, 2025

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