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Autobesitz: Doppelt so teuer, wie Sie denken

Forscher haben Autobesitzer schätzen lassen, was ihr Auto im Monat kostet. Im Schnitt lagen die Befragten um über 200 Euro daneben. Mehr Kostentransparenz - weniger Verkehr?
Autos kosten - das Klima und den Besitzer Laden...

Deutsche unterschätzen offenbar massiv, was ihr Auto pro Monat kostet, wenn man sämtliche Kosten einbezieht – also auch Steuer und Versicherung oder den Wertverlust. Im Schnitt lagen die Befragten um 221 Euro daneben. Das entspricht etwa der Hälfte der durchschnittlichen Kosten eines Pkw, so die Wissenschaftler um Mark Andor vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Wenn Deutschlands Autobesitzer wüssten, dass ihr Fahrzeug doppelt so viel Geld im Monat verschlingt, wie sie annehmen – würden dann mehr von ihnen auf alternative Verkehrsmittel umsteigen? Auch dieser Frage gingen Andor und Kollegen durch eine Modellrechnung nach. Wie sie im Fachmagazin »Nature« schreiben, würde mehr Kostentransparenz tatsächlich zu weniger Verkehr führen.

Sie kalkulierten, dass der Pkw-Besitz in Deutschland im Idealfall um bis zu 37 Prozent sinken könnte oder dass, anders gesagt, 17,6 Millionen Autos abgeschafft würden. Die dadurch bedingten Einsparungen von 37 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr könnten den Treibhausgasausstoß des Verkehrssektors um ein Fünftel reduzieren. Die deutschlandweiten Gesamtemissionen würden um 4,3 Prozent schrumpfen. Dazu bezogen Andor und Team die Auswirkungen eines Umstiegs auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder oder Carsharing-Modelle ein.

Auch Elektroautos könnten attraktiver werden. Sie würden in der Öffentlichkeit als zu teuer wahrgenommen, kämen Fahrer oder Fahrerin jedoch tatsächlich günstiger als Verbrenner. Die (in absoluten Zahlen gemessen noch sehr niedrige) Nachfrage nach E-Autos könnte infolgedessen um 73 Prozent steigen, schreiben die Forscher.

5483 Befragte haben in der Studie eine Kostenschätzung abgegeben. Die besten Schätzwerte bekamen die Forscher für die monatlichen Treibstoffkosten. Hier gaben die Teilnehmer fast perfekte Antworten. Bei allen anderen Werten lagen sie systematisch zu tief. Die wahren monatlichen Kosten ermittelten die Forscher mit Hilfe von Daten des ADAC. Eine aktuelle Kostenübersicht enthält etwa Angaben zu mehr als 1600 Modellen.

18/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18/2020

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