Direkt zum Inhalt

Doppelte Mimikry: Vogelkot-Tarnung nützt zweifach

Diese Spinne schafft es, gleichzeitig unappetitlich und appetitlich auszusehen. Ihre Tarnung als Vogelkot schützt sie nicht nur vor Raubtieren, sondern lockt auch Beute an.
Phrynarachne ceylonica auf einem Blatt.Laden...

Schönheit liegt im Auge des Betrachters – und in der Evolution überwiegt der Nutzen ohnehin ästhetische Erwägungen. Das gilt ganz besonders für tropische Spinnen der Gattung Phrynarachne. Ihr bräunlicher, unregelmäßig geformter Körper und strategisch platzierte Seidenfäden rund um den Körper lassen sie wie einen Klecks Vogelfäkalien erscheinen. Bisher galten diese Tiere als klassisches Beispiel für Tarnung zum Schutz vor Fressfeinden – denn auch räuberische Spinnen müssen sich vor Raubtieren in Acht nehmen.

Doch die Tarnung scheint sogar einen Zweitnutzen zu haben, wie eine Arbeitsgruppe um Daiqin Li von der National University of Singapore berichtet. Das Team präsentiert in »Current Zoology« handfeste Indizien dafür, dass die als Vogelkot getarnte Art Phrynarachne ceylonica mit Hilfe ihrer Mimikry auch Beute anlockt.

Dass Raubtiere ihre Beute durch ihr Aussehen anlocken, ist im Tierreich verbreitet. Anglerfische tragen leuchtende Köder, Schnappschildkröten nutzen ihre Zunge als Wurmattrappe, und die Venusfliegenfalle sieht aus wie eine Blüte. Sogar noch öfter benutzen Tiere Tarnung als Schutz, indem sie sich als nicht essbare Teile der Umwelt maskieren. Ob eine Tarnung jedoch beide Funktionen gleichzeitig erfüllt, diskutieren Fachleute häufig kontrovers, denn in manchen Fällen sind beide Aspekte theoretisch denkbar – aber meist nur sehr schwer eindeutig nachzuweisen.

Um zu demonstrieren, dass die Spinne ihre Tarnung tatsächlich auch zum Beutefang nutzt, malte die Arbeitsgruppe die Spinnen mit einer unschädlichen Farbe weiß an. Anschließend verglich sie, wie oft Fliegen sich den geschminkten und ungeschminkten Spinnen jeweils näherten, und verglichen dies mit der Häufigkeit, mit der solche Fliegen auf echtem Vogelkot landeten.

Dabei zeigte sich, dass für viele Insekten die Spinnen von Vogelexkrementen nicht zu unterscheiden sind – zumindest solange keine neugierigen Forscher vorbeikommen und sie anmalen. Denn sobald Arme oder gar der ganze Körper auffällig weiß markiert waren, landeten viel weniger Fliegen in Reichweite der hungrigen Spinnen. Das Team um Li schließt daraus, dass die Tarnung tatsächlich doppelt nützt und so auch Beute anlockt.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte