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News: Doppelter Hinweis auf einen fernen Planeten

Mittlerweile nimmt die Öffentlichkeit schon kaum noch Notiz, wenn Astronomen verlauten lassen, sie hätten - mal wieder - einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Genaugenommen haben sie meist auch nur festgestellt, daß die Position eines Sterns regelmäßig ein ganz kleines bißchen schwankt. Das könnte durch die Schwerkraft eines großen Planeten ausgelöst werden. Doch der Beweis für diese Interpretation stand lange Zeit aus. Nun ist er endlich da: Ein unscheinbarer Stern, der ebenfalls periodisch schlingert, wird genau zum vorausberechneten Zeitpunkt ein wenig dunkler. Es dürfte schwierig sein, diese Beobachtung anders zu erklären, als mit einem Planeten, der sich zwischen uns und seine Sonne schiebt und sie dabei teilweise verdeckt.
Er ist nur etwa so groß wie unsere Sonne und ungefähr im gleichen Alter. Aufgrund der Entfernung von 153 Lichtjahren fällt er kaum auf im Sternbild Pegasus, und so gaben Astronomen ihm den wenig phantasievollen Namen HD 209458. Aber die Beobachtungen eines Wissenschaftlerteams um Gregory W. Henry von der Tennessee State University und Geoffrey Marcy von der University of California in Berkeley verschaffen ihm möglicherweise einen Ehrenplatz in zukünftigen Astronomiebüchern.

Marcy und seine Kollegen stellten anfangs eine regelmäßige Schwankung in der Position von HD 209458 fest. Wie schon bei 18 anderen Sternen vorher führten sie die winzigen Bewegungen auf die Schwerkraft eines Planeten in einer Umlaufbahn um den Stern zurück. Fast alle der bisher etwa 30 extrasolaren Planeten haben sich durch ihre Gravitation verraten. Ein direkter Hinweis darauf, daß wirklich der Sog von Planeten schuld an den wackelnden Sternen war, fehlte jedoch. Zwar hatten Astronomen versucht, mit optischen Teleskopen eine Schwankung in der Helligkeit des Sterns zu entdecken, doch Erfolg war ihnen dabei nicht beschieden. Entweder umkreisten die Planeten ihre Sonnen auf Umlaufbahnen, die sie nicht auf die Verbindungsachse zwischen Erde und Stern führten, oder vielleicht gibt es da draußen gar keine Planeten, und irgendein anderes Phänomen rüttelte an den Positionen der Sterne.

Marcy schickte seine Daten über HD 209458 an Henry, der eines seiner automatischen Teleskope auf das Objekt ausrichtete. Und genau zu dem von Marcy berechneten Zeitpunkt sank die Helligkeit des Sterns tatsächlich um 1,7 Prozent ab. "Dieser Planetendurchgang fand exakt zu der Zeit statt, die Marcy vorhergesagt hatte. Damit ist definitiv die Anwesenheit eines Begleiters nachgewiesen", sagt Henry.

Aus dem Grad der Abschwächung des Sternenlichtes konnten die Astronomen zum ersten Mal die Größe und Dichte des Planeten genau bestimmen. Die Berechnungen für die übrigen Kandidaten für extrasolare Planeten waren meist sehr fehlerhaft, da die Wissenschaftler kaum Informationen über die Orientierung der Umlaufbahn hatten. Für den Begleiter von HD 209458 können sie dagegen sagen, daß er 63 Prozent der Jupitermasse hat und einen um gut 60 Prozent größeren Radius. Seine Dichte liegt somit bei 0,21 Gramm pro Kubikzentimeter. Der Planet gehört darum zu den Gasriesen.

Nach dem heutigen Wissensstand kann er sich nicht auf seiner momentanen Umlaufbahn dicht am Stern gebildet haben, sondern muß weiter entfernt entstanden und irgendwie in diesen Orbit gekommen sein. Dort umläuft er jetzt alle 3,523 Tage seinen Stern – ungerührt von dem Trubel, den er bei irdischen Astronomen ausgelöst hat.

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