Astronomie mit dem Fernglas: Brillantes Duo beim Himmels-W

Das Sternbild Kassiopeia ist leicht am Himmel zu finden, denn seine Sternfigur ähnelt dem Buchstaben W. Unweit davon, bereits im benachbarten Sternbild Perseus, befinden sich zwei der attraktivsten Objekte des Nordhimmels: die offenen Sternhaufen h+Chi. Jedes dieser stellaren Nester wäre für sich genommen bereits eine Würdigung als glanzvolles Fernglasobjekt wert, denn mit scheinbaren Helligkeiten von 4,3 beziehungsweise 4,4 mag und einer Winkelausdehnung von einem Viertel Grad sind die beiden Haufen nicht zu verachten – und in so enger Nachbarschaft bilden sie erst recht einen spektakulären Anblick.
Schon mit kleinsten Optiken, beispielsweise einem Opernglas oder dem Sucher eines Teleskops, lässt sich das Paar h+Chi als eine in Ost-West-Richtung orientierte, rund ein Grad durchmessende, 3,7 mag helle, bipolare Sternwolke ausmachen. Auf halbem Weg zwischen dem auffälligen Himmels-W und dem Sternbild Perseus ist das Duo in einer halbwegs dunklen Nacht bereits mit bloßem Auge als blasser Lichtfleck zu erkennen (siehe »Doppelter Sternhaufen«). In einem Fernglas zeigen sich die hellsten Haufenmitglieder gut voneinander getrennt; einige bilden eine markante Sternenkette, die weit nach Nordosten reicht. Unzählige schwächere Sterne, die insgesamt etwa 8000 Sonnenmassen auf sich vereinigen, verschmelzen zu einem hellen, nebligen Licht.
Im Sternbild Perseus (Per), unweit der Grenze zum Sternbild Kassiopeia (Cas), befindet sich der zweifache Sternhaufen h+Chi. Durch ein Fernglas oder ein kleines Teleskop zeigt er sich in voller Pracht. Das Bild ist ein Ausschnitt aus einer Weitwinkelaufnahme mit einer Kamera des Typs Fuji X-M1 und einem Objektiv mit 18 Millimetern Brennweite; belichtet wurde es 20 Sekunden ohne Nachführung bei ISO 1600.
Die beiden Haufen von h+Chi sind auch als NGC 869 und NGC 884 bekannt. Mit einem Alter von rund 14 Millionen Jahren sind sie relativ jung. Nicht nur visuell, sondern auch physisch bilden sie ein Paar, mit Distanzen von 7640 beziehungsweise 7460 Lichtjahren zur Erde.
Wird das Fernglas auf einem hohen, über den Kopf reichenden Stativ montiert, dann erkennt man dank des nun ruhigeren Bildes mehr einzelne Sterne. So hoch am Himmel beobachtend ist aber vielleicht eine liegende Position bequemer. In diesem Fall kommt man ohne Stativ aus, wenn die Ellbogen seitlich abgestützt werden. Probieren Sie einfach, was für Sie am bequemsten ist, und genießen Sie den Anblick dieses einmalig schönen Himmelsobjekts.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.