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News: Dreckschleudern auf hoher See

Dieselgetriebene Frachtschiffe gehören zu den stärksten Luftverschmutzern. Zusammengenommen emittieren sie fast doppelt so viel Stickstoff wie ganz Deutschland und pusten mehr als die anderthalbfache Menge an Schwefelverbindungen in die Luft.
Nach Ansicht zweier Forscher der Carnegie Mellon University, James Corbett und Paul Fischbeck, lassen sich bestimmte räumliche Muster der globalen Luftverschmutzung durch Emissionen aus Frachtschiffen erklären (Science vom 31. Oktober). Bisher wurden Quellen auf dem Festland für die Schadstoffe verantwortlich gemacht. Den Autoren zufolge wird die International Maritime Organization (IMO) demnächst eine multinational gültige Verordnung herausgeben, die sich dieses Problems annimmt. Eine neue Regelung für den Ausstoß von Stickoxiden wird jedoch nur für neue Schiffe oder größere Schiffsumrüstungen ab dem 1. Januar 2000 gelten.

Obwohl die Berechnungen eher unter vorsichtigen Annahmen durchgeführt wurden, kommen die Autoren zu dem Schluß, daß „die weltweiten Stickstoffemissionen von Schiffen nahezu der Hälfte der Gesamtemission der Vereinigten Staaten entsprechen, 42 Prozent der Stickstoffemission aus Nordamerika, 74 Prozent der Emissionen europäischer OECD-Staaten (Organization for Economic Cooperation and Development) und 190 Prozent der Stickstoffemission in Deutschland.”

Sie fügen hinzu, daß „Schwefelemissionen von Schiffen 43 Prozent der gesamten Schwefelemission der Vereinigten Staaten, 35 Prozent der Schwefelemission Nordamerikas, 53 Prozent der Emissionen europäischer OECD-Staaten und 178 Prozent der Schwefelemission in Deutschland entsprechen. Die meisten Schwefelemissionen auf dem Festland stammen von stationären Quellen.”

Nach Ansicht von Bryan Wood-Thomas von der U.S. Environmental Protection Agency (EPA) „ist die von Corbett und Fischbeck durchgeführte Forschungsarbeit die gründlichste Untersuchung der Schwefeloxid- und Stickstoffoxidemissionen, die durch den internationalen Schiffsverkehr verursacht werden. Während viele Studien Emissionsmodelle auf lokaler und regionaler Ebene erstellt haben, stellt diese Studie eine exakte Analyse und Abschätzung der Emissionen im globalen Maßstab dar.” Die Wissenschaftler meinen, daß diese Emissionen weltweit Einfluß auf den Grad der Umweltverschmutzung haben. Zum Beispiel ist die Luft über dem Nordpazifik stärker verschmutzt als jene über dem Südpazifik.

Corbett und Fischbeck weisen darauf hin, daß die Konzentration an Schadstoffen wie Schwefel, Asche-Asphaltenen und Metallen in den Rückständen (den Schiffstreibstoffen) in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen hat, insbesondere seit der Ölkrise von 1973. Damals wurde begonnen, mit Hilfe sekundärer Raffinerietechnologien Treibstoffe aus Rückständen herzustellen, um so die maximale Menge an raffinierten Produkten (Destillaten) aus Rohöl zu gewinnen. Andere Arten von Schiffstreibstoffen sind höherwertige Destillatöle, allerdings sind diese oft mit Rückständen vermischt. Siebzig bis achtzig Prozent der Eigner von Handelsschiffen ziehen die billigeren Treibstoffe aus Rückständen vor.

Für die Abschätzung der weltweiten Schiffsemissionen wurden Daten von drei angesehenen Quellen verwendet: Testdaten über Schiffsabgase einschließlich treibstoffabhängiger Emissionsraten für Schwefel und Stickstoff, Informationen über die internationale Verwendung von Schiffstreibstoffen, und die Maschinenleistung der weltweit registrierten Handelsschiffe, deren Gewicht 100 Bruttoregistertonnen oder mehr beträgt, sowie die Maschinenleistung von Marineschiffen.

Im September hat die IMO weltweit gültige Emissionsgrenzwerte verabschiedet. Diese werden letztendlich zu einer multinationalen Vereinbarung über die Prinzipien der Überwachung von Schiffsemissionen führen. Die Autoren berichten, daß trotzdem „eine meßbare Abnahme der Stickstoffemissionen noch viele Jahre auf sich warten lassen wird”, unter der Annahme, daß pro Jahr 1,5 Prozent der Flotte ausgetauscht wird. „Außerdem”, so fügen sie hinzu, „begrenzt die IMO den Schwefelgehalt in Treibstoff auf 4,5 Prozent. Dies führt – wenn überhaupt – nur zu einer geringen Reduktion und ändert praktisch überhaupt nichts am Status quo, da die International Organization for Standardization (ISO) im Jahre 1987 den Schwefelgehalt im Treibstoff auf 5 Prozent begrenzte.”

Insgesamt gesehen, können Luftemissionen dieser Art bei den weltweiten Klimaveränderungen durchaus eine Rolle spielen.

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