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Dreifachsystem: Ein Planet, der um drei Sonnen kreist?

Noch sieht man nur eine merkwürdige Lücke in der Staubscheibe. Doch vieles deutet darauf hin, dass hier erstmals ein Planet entdeckt wurde, der gleich drei Sterne umrundet.
GW Orionis in einer künstlerischen Darstellung

Planeten, die einen einzelnen Stern umrunden, sind die Norm, solche, die zwei umrunden, erheblich seltener, und nun liefern Beobachtungen die bislang vielversprechendsten Hinweise auf einen Exoplaneten, der sogar an drei Sterne gebunden ist: im 1300 Lichtjahre entfernten System GW Orionis.

Das Sternensystem war Fachleuten schon früher aufgefallen, denn es besteht nicht nur aus drei Sternen, sondern auch aus drei protoplanetaren Scheiben – ringförmigen Materieansammlungen, in denen sich Planeten bilden, indem sie immer mehr Staub und Gas aus ihrem Orbit aufsammeln und dabei wachsen. Bemerkenswert ist unter anderem, dass sich die Scheiben von GW Orionis nicht in derselben Ebene befinden, die äußeren beiden sind gegenüber der inneren um 38 Grad gekippt.

Nun richtete ein Team um Jeremy Smallwood von der University of Nevada in Las Vegas seine Aufmerksamkeit auf die Lücke zwischen der inneren und den beiden äußeren Scheiben. Wie die Wissenschaftler im Fachblatt »Monthly Notices of the Royal Astronomical Society« schreiben, könnte ein etwa jupitergroßer Gasplanet diese Lücke gerissen haben, indem er das ursprünglich dort vorhandene Material in sich aufgesogen hat. Ein solcher Planet wäre womöglich erst rund eine Million Jahre alt.

Sollten sie mit ihrer Annahme Recht haben, wäre es der erste bekannte Planet, der um drei Sterne kreist. Allerdings in recht weitem Abstand zum Zentrum des Systems, so dass mit spektakulären Sonnenauf- und -untergängen nicht zu rechnen ist: Die Lücke befindet sich beim 100-Fachen des mittleren Abstands von Erde und Sonne. Er wäre somit mehr als doppelt so weit vom Zentrum entfernt wie beispielsweise Pluto von der Sonne. Ein menschlicher Beobachter auf diesem hypothetischen Planeten würde darum die drei Sterne nur als zwei Pünktchen erkennen – zwei, denn die beiden inneren umrunden einander auf einem so engen Orbit, dass sie nicht mit dem bloßen Auge unterschieden werden können. Sie benötigen für einen Umlauf um ihr gemeinsames Zentrum 241 Tage. Der dritte im Bunde umrundet sie beide alle elfeinhalb Jahre.

© European Southern Observatory (ESO)
Tanz dreier Sterne
Die Animation zeigt, wie die drei Sterne im Zentrum von GW Orionis umeinander kreisen. Der hypothetische Planet würde sich außerhalb des inneren Rings befinden.

Als alternative Erklärung für die Lücke zwischen den Scheiben wurden Verzerrungseffekte vorgeschlagen. Die drei Sterne im Zentrum könnten mit ihrer Schwerkraft unterschiedlich stark auf unterschiedliche Bereiche der Scheibe eingewirkt und so eine Lücke gerissen haben. Das Team um Smallwood will diese Erklärung nun jedoch mit eigenen Simulationen ausgeschlossen haben.

Eine definitive Antwort könnte es schon bald geben. Der »New York Times« sagte die Astronomin Alison Young von der University of Leicester, dass Beobachtungen mit dem ALMA-Teleskop und dem Very Large Telescope, die beide in Chile beheimatet sind, in den kommenden Monaten geplant sind. Dabei könnte womöglich der Planet selbst abgelichtet werden.

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