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Drogen: Illegaler Cannabisanbau bedroht Tiere

Mehrere gefährdete Arten und illegale Cannabispflanzer teilen eine Vorliebe: Sie bevorzugen dichte Wälder in abgelegenen Gebieten. Das geht auf Kosten der Fauna.
Cannabisanbau

In vielen US-Bundesstaaten ist der Besitz und teilweise auch der Anbau von Cannabis legal. Das gilt etwa für Kalifornien, wo es neben dem gestatteten Handel weiterhin einen großen Markt für illegal angebaute Cannabispflanzen gibt: Der Umsatz wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt und sorgt dafür, dass die dafür genutzten Flächen ausgeweitet werden. Die Hauptanbaugebiete überschneiden sich jedoch mit dem Hauptverbreitungsgebiet gefährdeter Arten, wie eine Studie von Greta Wengert vom Integral Ecology Research Center und ihrem Team in »PLOS ONE« zeigt. Die Arbeitsgruppe befürchtet, dass die untersuchten Spezies Nördlicher Fleckenkauz (Strix occidentalis caurina), Fischermarder (Pekania pennanti) und Humboldt-Fichtenmarder (Martes caurina humboldtensis) bei fortgesetzter Ausdehnung der Plantagen weiter unter Druck geraten.

Die Cannabisfelder finden sich vor allem in gebirgigen Regionen zwischen 800 und 1600 Meter Höhe. Teilweise werden sie auf Flächen angelegt, die einige Jahre zuvor gebrannt haben, teilweise roden die Anbauer Areale innerhalb geschlossener Wälder. Diese Gebiete sind schwer zugänglich und können in der Regel nur aus der Luft ausfindig gemacht werden. 40 bis knapp 50 Prozent des Verbreitungsgebiets der drei Arten liegen laut der Studie in diesen bevorzugten Anbauregionen. In der südlichen Sierra Nevada stimmen sogar 100 Prozent der Heimat des Fischermarders mit den favorisierten Plantagenarealen überein.

Problematisch für die Tiere ist allerdings nicht nur die Rodung, sondern mehr noch der intensive Einsatz von Nagergiften, mit dem die Plantagen vor Mäusen geschützt werden sollen. Die Tiere sterben jedoch oft nicht sofort an den Giften. Die Toxine sorgen dafür, dass sie weniger beweglich sind und Fressfeinden leichter zum Opfer fallen. Die Marder wie die Eulen reichern über ihre Nahrung die Rodentizide im Körper an, was sie entweder direkt tötet oder ihre Fortpflanzung beeinträchtigt.

Verschiedene Studien haben bereits einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Sterblichkeit zum Beispiel bei den Eulen sowie Nagergiften im Umfeld von Cannabisplantagen gezeigt. Dabei schaffen sich die illegalen Farmer ihre Probleme selbst: Sie legen Lichtungen im Wald an, die Pflanzenfresser anlocken. Ratten und andere Nagetiere wiederum werden außerdem noch vom Müll und den Lebensmittelresten angezogen, welche die Anbauer hinterlassen. Wengert und Co empfehlen daher, illegale Plantagen verstärkt aufzuspüren und dann zu dekontaminieren, um die Risiken für die bedrohten Arten zu reduzieren.

Die Rodentizide sind nicht das einzige ökologische Problem des (illegalen) Anbaus: Der Wasserverbrauch der Plantagen ist immens und sorgt im Westen der USA für ausgetrocknete Bäche, denn die Farmer entnehmen dort das Wasser. Die Zucht in Hallen unter künstlichem Licht wiederum benötigt große Mengen an Strom. In Colorado, wo Erzeugung und Verbrauch ebenfalls legal sind, verursacht der Anbau ähnlich viele Kohlendioxidemissionen wie der Kohlebergbau. Zahlreiche Farmer nutzen den Innenanbau, weil sie Diebstahl auf offenen Feldern fürchten.

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