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Ornithologie: Drogensüchtige Papageien plündern Mohnfelder

Im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh wird Schlafmohn für medizinische Zwecke angebaut. Doch auch Papageien haben die berauschende Wirkung für sich entdeckt.
Pflaumenkopfsittiche haben Opium für sich entdecktLaden...

Papageien gehören zu den intelligentesten Vögeln und können empfindliche Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen anrichten, wenn sie in Schwärmen einfallen. Interessant wird es allerdings, wenn diese beiden Eigenschaften mit einem Suchtverhalten zusammentreffen, wie ein Beispiel aus Indien zeigt. Seit Jahren beklagen sich dort Landwirte im Bundesstaat Madhya Pradesh über opiumsüchtige Halsband- (Psittacula krameri) und Pflaumenkopfsittiche (Psittacula cyanocephala), welche die Erträge empfindlich schmälern können – vor allem wenn wie dieses Jahr der Regen unregelmäßig fällt und ohnehin schwache Ernten drohen. Das berichtet die indische Nachrichtenseite NDTV unter Berufung auf lokale Quellen. Die Landwirte hätten sich nun an die Behörden gewandt, weil eigene Schutzanstrengungen erfolglos blieben.

Mittlerweile würden die Felder, auf denen Schlafmohn für medizinische Anwendungen gepflanzt wird, Tag und Nacht bewacht. Doch davon lassen sich die Vögel ebenso wenig abschrecken wie von laut abgespielter Musik. Die Tiere seien wohl teilweise so zugedröhnt, dass sie sich vom Lärm nicht mehr abhalten lassen. Dabei warten sie ab, bis die Mohnkapseln so weit sind, dass die Bauern sie für die endgültige Reifung aufschneiden. Erst ab diesem Moment fliegen die Sittiche ein. Dabei gehen sie recht heimlich vor: Während sie sonst durch lautes Krächzen und Zwitschern auffallen, verhalten sie sich in den Mohnfeldern sehr leise. Erst wenn sie abfliegen, machen sie sich bemerkbar. Oft knipsen die Vögel die reifenden Kapseln am Stängel ab und fliegen dann mit ihrer Beute in den nächsten Baum.

Jede Kapsel liefert 20 bis 25 Milligramm Opium. Doch kehren die Schwärme mitunter 30 bis 40-mal pro Tag zurück, um daran zu fressen oder die Kapseln abzutransportieren. Die ersten Beobachtungen wurden 2015 gemeldet, und seit damals hat sich das Problem ausgeweitet. Für die Bauern wird das zum wirtschaftlichen Problem, manchen droht sogar der Lizenzverlust: Sie müssen bestimmte Anbauquoten erfüllen, aber dabei kommen ihnen die berauschten Vögel in die Quere. Laut einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« aus dem Jahr 2017 sollen zudem Antilopen das Opium für sich entdeckt haben – sie wurden ebenfalls beobachtet, als sie an den reifenden Kapseln fraßen. Selbst Nylonnetze und Zäune können die Tiere dabei nur teilweise abhalten.

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