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News: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Wer weiß schon, wieviel Haß und Zwietracht sich hinter der Fassade einer Vorstadtidylle verbirgt? Ein klassisches Beispiel häuslicher Harmonie im Tierreich erweist sich bei genauerer Betrachtung als Illusion: Gewalt bis hin zu Verstümmelungen im eigenen Heim sowie erbitterte Scheidungen grassieren auch bei Termiten. Von diesen Insekten hatte man bisher angenommen, von allen Tieren seien sie dem Ehehimmel mit am nächsten.
Termiten leben monogam und bleiben meist sehr lange mit demselben Partner zusammen, einige Arten bis zu 20 Jahre. Während des mitunter Jahre dauernden Heranreifens der Jungtermiten erledigen beide Elternteile ihren gerechten Anteil der familiären Pflichten. So sah zumindest das bisherige Bild vom Familienleben dieser Insekten aus.

Aber Untersuchungen an anderen Arten, die ebenfalls monogam leben und sich gemeinsam um die Nachkommen kümmern (wie zum Beispiel Vögel und Menschen), belegen, daß die häusliche Ruhe reine Fassade sein kann. Hinter den Vorhängen verbirgt sich manchmal ein Schlachtfeld der Gewalt, Vereinsamung und Scheidungen. Die evolutionäre Begründung hierfür ist, daß Tiere, die sich für ein ganzes Leben zusammenfinden, wahrscheinlich äußerst wählerisch bezüglich ihrer potentiellen Partner sind – und auch bereit, einen Partner einfach fallenzulassen, sobald ein vielversprechenderer Kandidat des Weges kommt. Warum haben wir dann aber ausgerechnet von den Beziehungen der Termiten so eine verklärt positive Vorstellung?

Der Grund hierfür ist, so Janet Shellman-Reeve von der Cornell University in Ithaca (New York), daß bisher noch niemand die Termiten-Ehen wirklich untersucht hat. In den Proceedings of the Royal Society of London präsentiert die Wissenschaftlerin "die ersten quantitativen Felddaten zu Balz, Partnerwahl und Paarungskonflikten bei Termiten."

Ihre Studienobjekte waren Kolonien der Termitenart Zootermopsis nevadensis, die sich ihr Heim in Baumstämmen einrichten. Erreichen die Tiere einen neuen Stamm, bilden sie innerhalb von nur zwei Stunden neue Paare. Dies ermöglicht ihnen, sehr schnell gegen die verwandte Art Z. augusticollis verteidigungsbereit zu sein.

Über die Hälfte der ursprünglichen Paare gingen jedoch wieder auseinander, was oft von körperlicher Gewalt begleitet war. Ein Forscher berichtet, daß Termitenpaare einander die Fühler abkauen, was menschliche Reaktionen auf Untreue als vergleichsweise harmlos erscheinen läßt. Die Geschlechter unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie die Beziehung aufkündigen. Die Männchen neigten dazu, einfach auszuziehen, das Weibchen einsam zurückzulassen und anderswo nach einer neuen Partnerin zu suchen. Die Weibchen blieben dagegen in der Regel zu Hause und luden einen neuen Freier ins Nest ein. Wenn der aktuelle Partner dort noch wohnte, gab es besonders brutale Szenen: In Nestern mit drei Termiten balgten die beiden gleichgeschlechtlichen – egal ob es Weibchen oder Männchen waren – erbittert miteinander, bis einer aus dem Nest flog. Dabei wurden sie von der dritten Termite aktiv angefeuert. Im Schlußakt des Dramas finden sich verstoßene Termiten aus mehreren Kolonien zusammen und bilden neue Paare. Fragt sich nur, wie lange deren Treue währt.

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