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World Weather Attribution: Hitze trocknet Europas Böden immer schneller aus

Die Dürre in Europa wird immer weiter verstärkt – und der ausbleibende Regen ist nicht das einzige Problem. Laut einer Studie spielt extreme Hitze eine tragende Rolle.
Eine Metallbrücke erstreckt sich über einen breiten, sandigen Flussstrand. Unter der Brücke geht eine Person in roter Kleidung. Im Hintergrund sind Bäume und ein ruhiger Fluss zu sehen. Der Himmel ist klar und blau.
Am ausgetrockneten Po kommt man auch ohne Brücke ans andere Ufer. Stark gesunkene Wasserpegel sind die sichtbarsten Zeichen einer Dürre, die in Europa nun schon seit mehreren Monaten anhält.

Derzeit durchleben Teile Europas teils außergewöhnliche Dürren, die der Natur und der Landwirtschaft erheblich zusetzen. Ihr Auslöser ist allerdings weniger ein Mangel an Niederschlag, sondern vielmehr gestiegene Temperaturen, die den Boden ausdörren. Damit seien die Bodendürren unmittelbare Folgen des Klimawandels, heißt es in einer Studie der World Weather Attribution (WWA), an der auch Forschende des Deutschen Wetterdienstes (DWD) beteiligt waren.

Den Untersuchungen zufolge macht der Klimawandel eine Trockenheitsphase, wie sie aktuell im Westteil des Kontinents auftritt, rund fünfmal wahrscheinlicher. Die Dürrebedingungen des Ostteils, zu dem die Autoren der Studie auch Deutschland rechnen, wurden durch den Klimawandel rund elfmal wahrscheinlicher.

Umgerechnet bedeutet dies: Die seit April anhaltende Bodendürre in Westeuropa wäre unter dem Klima der vorindustriellen Zeit einmal in mehreren Jahrzehnten zu erwarten gewesen. Inzwischen dürfte sie den Modellierungen des WWA zufolge alle fünf Jahre auftreten.

Jahrhundertdürren alle 15 Jahre?

In Deutschland und angrenzenden Ländern im Norden, Osten und Süden, wo der Niederschlagsmangel schon seit dem Winter 2025/2026 anhält, hat die Hitze der vergangenen Monate zu einer Dürre geführt, die rechnerisch in vorindustrieller Zeit alle rund 150 Jahre auftreten sollte. Durch den Klimawandel ist ihr Auftreten deutlich wahrscheinlicher geworden: Nun ist alle 15 Jahre mit diesen Bedingungen zu rechnen, so die Fachleute.

»Trotz höherer Winterniederschläge in weiten Teilen Europas beobachten wir inzwischen bereits im Frühjahr eine verstärkte Tendenz zu ungewöhnlicher Austrocknung der Böden«, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) den an der Studie beteiligten Forscher Dominik Schumacher vom Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich. »Das haben wir selbst verursacht: Mit steigenden Temperaturen nimmt der ›Durst‹ der Atmosphäre rasch zu und entzieht Flüssen, Seen, Stauseen und Böden Feuchtigkeit.«

Die paradoxe Folge davon ist, dass Klimamodelle zwar keinen Rückgang der durchschnittlichen Niederschlagsmenge prognostizieren, aber Europa trotzdem auf häufigere Dürren zusteuern dürfte.

Risiko steigt bei weiterer Erwärmung

»Am alarmierendsten ist, dass diese Bedingungen bereits bei einer Erwärmung von 1,4 Grad Celsius auftreten«, sagte Mariam Zachariah vom Imperial College London der dpa. Je stärker sich Europa künftig erwärmt, desto heftiger und häufiger könnten auch die Dürreereignisse werden. Ohne rasche und entschlossene Emissionsminderungen würden immer wieder glühend heiße, trockene Sommer drohen.

Für die Studie hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf europäischen Ländern Trends bei Niederschlag, Bodenfeuchte und der potenziellen Evapotranspiration (PET) – ein Maß für den »Durst« der Atmosphäre als Fähigkeit, Feuchtigkeit zu verdunsten – analysiert.

Die Folgen der Dürre sind bereits in Ernteeinbußen absehbar. Frankreich verzeichnete beispielsweise die niedrigste Maisernte seit 50 Jahren. Auch die Schifffahrt wird durch sinkende Wasserpegel in Mitleidenschaft gezogen. Viele Länder in Europa hätten bereits Notfallbeschränkungen oder vorübergehende Verbote für nicht notwendige Nutzungen von Trinkwasser eingeführt. Das könne den finanziellen Druck erhöhen, insbesondere für einkommensschwache Haushalte. Deutschland erlebe gerade »eine Dürre, wie sie nur alle 50 Jahre vorkommt«, erklärt der Hydrologe Ralf Merz vom Umweltforschungszentrum Leipzig im Gespräch mit »Spektrum der Wissenschaft«. (dpa/jad)

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