Direkt zum Inhalt

News: Duftiger Nacken

Wenn Vögel von sich reden machen wollen, singen sie im Allgemeinen oder prahlen mit ihrem bunten Gefieder. Bei den arktischen Schopfalken hingegen gehört zum Signalrepertoire auch ein intensiver Duft nach geschälter Mandarine.
Duftiger Nacken
Wer im Frühjahr eine Brutkolonie der in Alaska lebenden Schopfalke (Aethia cristatella) besucht, könnte meinen, in einer Mandarinenplantage zu stehen. Doch was in der kalten und windigen Kolonie so nach der Zitrusfrucht duftet, sind in Wahrheit die Vögel selbst. "Man könnte meinen, neben einem steht jemand und schält eine Mandarine", meint Julie Hagelin vom Swarthmore College in Pennsylvania.

Die Vögel strömen diesen Duft nur während der Brutsaison aus. Sie wollen damit also irgendetwas kundtun - ihre kräftige Gesundheit etwa oder die Bereitschaft, sich zu paaren. Zwar ist bekannt, dass viele Vögel über einen guten Geruchssinn verfügen - Geier etwa finden auf diese Weise ihre Nahrung, Tauben hingegen ihren Weg -, dass sie aber, genau wie viele Säugetiere auch, untereinander Duftsignale aussenden und registrieren, das war bisher gänzlich unbekannt.

Dabei ist das Sekret, welches die Schopfalke über Drüsen in ihrem Nacken absondern, eigentlich völlig geruchsneutral und wird wahrscheinlich erst durch Bakterien zum Mandarinenduft. Allerdings tun die ihr Werk nur während der Brutsaison. Danach kommt die Mauser, verblassen die orangefarbenen Schnäbel und verschwindet der Duft.

Dass der Duft tatsächlich der olfaktorischen Kommunikation dient, schließen die Forscher aus dem für die Balzzeit typischen gegenseitigen Halsknabbern der übrigens monogam lebenden Vögel. Zudem hat Hagelin 174 Schopfalke einfangen lassen und in einer Art Labyrinth die Duftpräferenzen der Vögel untersucht. Dabei wurden die Schopfalke in eine Box gesetzt und konnten sich von dort aus für verschiedene, unterschiedlich duftende Gänge entscheiden.

Die meisten Vögel hielten sich tatsächlich überwiegend dort auf, wo die gerupften Federn ihrer Artgenossen auslagen. Bananenaroma hingegen ließ die Vögel völlig unberührt, während sie Stinktierduft - wen wundert's - abstoßend fanden.

Wenn die Nase im Sozialleben von Vögeln tatsächlich eine Rolle spielt, dann wurden die Forscher von den Schopfalken geradezu mit der Nase darauf gestoßen. Denn fast alle Vögel haben einen charakteristischen Gefiedergeruch - wenngleich er für die menschliche Nase nirgends so offenkundig ist wie bei den Schopfalken.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte