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Kosmologie: Dunkle Materie verhält sich anders als erwartet

Galaxienhaufen Abell 520Laden...
Aufnahmen von zwei verschmelzenden Galaxienhaufen in verschiedenen Spektralbereichen zeigen Dunkle Materie, die sich anders im Raum verteilt als es gängige Modelle vorhersagen. Womöglich deutet dies auf einen Fehler in den Theorien hin.

Galaxienhaufen Abell 520Laden...
Galaxienhaufen Abell 520 | Die chaotischen Folgen einer Kollision von mindestens zwei Galaxienhaufen: Die rot eingefärbten Röntgenaufnahmen zeigen das heiße Gas in Abell 520, im sichtbaren Licht erscheinen die einzelnen Galaxien (gelb und orange). Durch die Verzerrung von Hintergrundobjekten wird auch Dunkle Materie (blau) entlarvt. Deren Verteilung gibt den Forschern Rätsel auf.
Astronomen kombinierten Bilder des Röntgenteleskops Chandra, die das mehrere Millionen Grad heiße Gas zwischen den einzelnen Galaxien in Abell 520 abbilden, mit optischen Aufnahmen des gesamten Haufensystems. Da die Dunkle Materie das Licht von Hintergrundobjekten ablenkt, konnten die Wissenschaftler aus deren Verzerrungen auf die Verteilung der unsichtbaren Masse schließen. Die im sichtbaren Licht leuchtenden Galaxien erschienen auf dem zusammengesetzten Bild getrennt von einem Kern aus Dunkler Materie. Ein Großteil der unsichtbaren Materie verblieb nach der Kollision scheinbar mitsamt des heißen Gases in der Mitte des Haufens, während die Galaxien sich wie erwartet fortbewegten. "Es ist das erste Mal, dass wir so etwas sehen", berichtet Hendrik Hoekstra von der Universität Victoria in British Columbia.

Nach heutigen Vorstellungen sollte ein gebundenes System aus Galaxien eine Menge Dunkle Materie besitzen, die sich selbst nach einem Zusammenprall wie in Abell 520 nicht abspalten sollte. Ein Galaxienhaufen, der nahezu frei von der exotischen Materie ist, kann im Rahmen der derzeitigen Theorien jedoch nicht erklärt werden.

Ob nun das Modell der Dunklen Materie oder aber das Verständnis solcher kosmischen Kollisionen fehlerhaft ist, bleibt zu klären. Vorerst sollen Folgebeobachtungen mit Chandra und dem Weltraumteleskop Hubble die ungewöhnliche Verteilung bestätigen. (mp)
18.08.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.08.2007

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