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News: Durchblick

Titan, der größte und hellste Mond des Saturns, wehrt sich notorisch gegen seine Erforschung. Jetzt drangen Forscher mithilfe von Infrarotteleskopen durch seine undurchsichtige Atmosphäre und spürten Überraschendes auf: Wassereis.
Durchblick
Es ist die beinahe undurchdringlich dichte Atmosphäre von Titan, die diesen Saturnmond seit vielen Jahren zu einem der interessantesten aber eben auch schwierigsten Objekte des Sonnensystems macht. Zum einen besteht diese Atmosphäre nämlich überwiegend aus Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid und gilt deshalb für viele Astrobiologen als Modell für die noch junge Erde, zum anderen verhüllt sie aber auch den Blick auf die Titanoberfläche, die - das haben Simulationen der atmosphärischen Vorgänge ergeben - von einer rund 800 Meter mächtigen Schicht aus mehr oder minder flüssigen organischen Verbindungen bedeckt sein dürfte.

Einzig am infraroten Ende des Spektrums gibt es einige schmale Wellenlängebereiche, in denen der dichte Smog Titans für optische Teleskope durchsichtig und der Blick auf die geheimnisvolle, minus 180 Grad Celsius kalte Oberfläche des zweitgrößten Mondes im Sonnensystem frei ist.

Caitlin Griffith von der University of Arizona und ihre Kollegen richteten also das United Kingdom Infrared Telescope (UKIRT) und ein Spektrometer der Infrared Telescope Facility (IRTF) der NASA auf Titan und vermaßen das von der Mondoberfläche zurückgestrahlte Sonnenlicht innerhalb mehrerer enger Bereiche im Infrarotspektrum.

Das Maß des reflektierten Sonnenlichts, die so genannte Albedo, gab den Forschern sodann Aufschluss über die Beschaffenheit der Oberfläche. Dazu verglichen sie die gemessenen Albedos schlicht mit denen jener Substanzen, die auf dem Mond am wahrscheinlichsten sind.

Womit die Forscher indes gar nicht rechneten war, dass ein großer Teil der uns zugewandten Titanoberfläche übermäßig viel Sonnenlicht reflektierte - so viel, dass dafür nur eine Substanz in Frage kommt: Wassereis. Ein Drittel der vermessenen Oberfläche ist nach Ansicht der Forscher von ziemlich reinem oder sehr feinkörnigem Eis bedeckt - das hätte bisher niemand gedacht. Der Rest hingegen wird von den erwarteten dunklen organischen Verbindungen eingenommen - darunter komplexe Kohlenwasserstoffe, die ständig aus der dichten Atmosphäre regnen.

Warum hier Eis und dort organische Verbindungen lagern, darüber können die Forscher um Griffith nur spekulieren. Vermutlich bilde das Eis den gesamten Untergrund des Saturnmonds, trete aber nur auf hochliegenden und "trockenen" Regionen offen zutage. Die dunklen organischen Substanzen füllten demnach vornehmlich die Niederungen auf. Da dies vorerst kaum mehr ist als eine Modellvorstellung, warten die Forscher nun gespannt auf das Jahr 2004, wenn die europäische Raumsonde Cassini-Huygens den eigenartigen Saturnmond erreichen und ganz aus der Nähe betrachten wird.

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