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Weltraum: Ein erdnaher Asteroid jagt den nächsten

Rund 3000 Asteroiden, die nah an der Erde vorbeiziehen, haben Teams allein im Jahr 2020 aufgespürt. So viele wie nie zuvor. Ihre Beschaffenheit und Bahnen zu kennen, ist wichtig. Denn ein Einschlag kann verheerend sein.
Die Illustration zeigt einen Asteroiden-Schwarm im All.Laden...

Am 6. März 2021 ist mit Apophis ein 340 Meter langer Weltraumfelsen an der Erde vorbeigerast. Folgenlos. Die nächste Rückkehr im Jahr 2029 jedoch wird womöglich ereignisreicher. Denn Apophis wird sich dem Planeten bis auf 40 000 Kilometer nähern und damit die Region streifen, in der einige hoch fliegende Satelliten kreisen. Erstmals werden Astronominnen und Astronomen dann einen Asteroiden dieser Größe so nah an uns vorbeifliegen sehen können.

Dank des Vorbeiflugs Anfang März konnten Teams ein weltweites planetarisches Abwehrsystem testen. Es dient dazu, einzuschätzen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Objekt auf der Erde einschlägt, noch während Astronomen dessen Bahn am Nachthimmel verfolgen. »Es war eine Feuerübung mit einem echten Asteroiden«, sagt Vishnu Reddy, Planetenforscher an der University of Arizona in Tucson, der die Beobachtungskampagne koordiniert hat.

Der Besuch von Apophis zeigt, wie viel Astronominnen und Astronomen in den vergangenen Jahren über erdnahe Asteroiden gelernt haben. Aber auch, wie viel sie noch lernen müssen. Seit die NASA im Jahr 1998 die größte Suche nach erdnahen Asteroiden startete, haben Teams mehr als 25 000 dieser Objekte bestimmt. Das Jahr 2020 war dabei ein Rekordjahr für Entdeckungen. Trotz der Covid-19-Pandemie, die viele der Durchmusterungen unterbrach, katalogisierte man im Lauf des Jahres insgesamt 2958 bisher unbekannte erdnahe Asteroiden (siehe »Weltraumbrocken«).

Im Jahr 2020 haben Teams so viele erdnahe Asteroiden aufgespürt wie nie zuvor, wie das Balkendiagramm zeigt.Laden...

Ein großer Teil davon stammt vom Catalina Sky Survey, der mit drei Teleskopen in Arizona nach bedrohlichen Weltraumfelsen sucht. Obwohl der Betrieb im Frühjahr 2020 wegen der Pandemie kurzzeitig eingestellt wurde und ein Waldbrand im Juni eine längere Schließung zur Folge hatte, entdeckte der Catalina Survey 1548 erdnahe Objekte. Darunter befand sich ein seltener Minimoon namens 2020 CD3. Der winzige Asteroid mit einem Durchmesser von weniger als drei Metern wurde vorübergehend von der Schwerkraft der Erde eingefangen. Im vergangenen April entzog der Minimoon sich wieder der Erdanziehung.

Eine weitere Reihe von Entdeckungen im Jahr 2020 – 1152 Stück – stammt von den Pan-STARRS-Durchmusterungsteleskopen auf Hawaii. Unter den Funden befand sich ein Objekt mit dem Namen 2020 SO, das sich nicht als Asteroid, sondern als übrig gebliebener Raketenbooster entpuppte, der seit dem Start einer NASA-Mission zum Mond im Jahr 1966 im All herumgeisterte.

Vorbeiflug in weniger als 400 Kilometer Entfernung

Einige der 2020 entdeckten Asteroiden kamen der Erde aus kosmologischer Sicht recht nahe – mindestens 107 von ihnen passierten den Planeten in einer Entfernung, die geringer war als die des Mondes. Zu den Besonderheiten des Jahres gehörte der winzige Asteroid 2020 QG, der im August bloß 2950 Kilometer über dem Indischen Ozean vorbeiflog. Es war die nächste bekannte Annäherung – ein Rekord, der nur drei Monate später von einem anderen kleinen Objekt gebrochen wurde. 2020 VT4 passierte den Planeten in weniger als 400 Kilometer Entfernung und wurde erst 15 Stunden nach seinem Vorbeiflug gesichtet. Wäre der Kurs ein anderer gewesen, wäre 2020 VT4 wahrscheinlich in der Erdatmosphäre auseinandergebrochen.

All diese Entdeckungen machen den Astronomen die Billardkugel-Natur des Sonnensystems bewusster, in dem eine Vielzahl von Asteroiden im erdnahen Raum herumschwirrt. Der jüngste Vorstoß zur Beobachtung von Apophis zeige, wie Astronomen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten können, um die Bedrohung durch Asteroiden einzuschätzen, sagt Reddy. »Es war eine riesige internationale Anstrengung«, sagt er, »und eine Menge Spaß.« Wenn Apophis in acht Jahren wieder auftaucht, werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine noch detailliertere Zählung der bedrohlichen Weltraumfelsen haben.

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