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News: Ein Bildschirmschoner für Außerirdische

Sind wir allein im Weltall? Diese Frage nagt bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten an den Urhebern des SETI-Projektes (Search for Extraterrestrial Intelligence). Wer von uns hat nicht schon einmal seinen Blick in den Nachthimmel versenkt, um sich dabei zu fragen, wie Zivilisationen auf fernen Planeten wohl aussehen könnten und ob man deren Bewohner wohl gern zum Kaffee einladen möchte? Bloßes Hinsehen und Sinnieren dürfte jedoch wohl kaum ausreichen, um fremde Intelligenzen zu entdecken. Selbst wenn sie Botschaften senden, müssen diese erst mühevoll aus dem Rauschen des Alls gefiltert werden. Jetzt besteht jedoch die Möglichkeit sich an der wissenschaftlichen Suche nach Außerirdischen zu beteiligen, ohne dabei einen Finger rühren zu müssen, denn alles, was man benötigt, ist ein Computer mit Internetanschluß, einen speziellen Bildschirmschoner ... und eine gehörige Portion Glück.
Seit zwanzig Jahren lauscht das gigantische Radioteleskop in Arecibo, Puerto Rico, nach den Signalen außerirdischer Zivilisationen. Oder vielmehr versuchen Astronomen wie Dan Werthimer von der University of California in Berkeley mit Computerhilfe die berühmte Nadel im Heuhaufen der allgegenwärtigen Radiostrahlung zu finden. Dabei müssen ungeheure Datenmengen durchforstet werden, um eventuelle Signale fremder Intelligenzen von den natürlichen Radioquellen oder irdischen Einflüssen trennen zu können. Alle SETI-Projekte können bei ihrer Echtzeitsuche jedoch nur eine vergleichsweise geringe Anzahl an Bandbreiten, Frequenzabweichungen und Impulsperiodizitäten untersuchen. Die Wissenschaftler stehen bei diesem Unterfangen gewissermaßen vor dem Dilemma, entweder einen genauen Blick durch ein Nadelöhr oder nur einen unscharfen durch einen Scheunentor zu riskieren. Auf der Suche nach schmalbandigen Radiosignalen, die in der Natur nicht vorkommen, wollen sich die Wissenschaftler deshalb jetzt einer anderen Strategie bedienen.

Beim SETI at home-Projekt haben es Werthimer und seine Kollegen vom SETI-Institute im positivem Sinne auf Privatcomputer abgesehen. Deren geballte parallele Rechenleistung könnte durchaus eine große Hilfe bei der Aufgabe darstellen, einen schmaleren Frequenzbereich mit wesentlich größerer Genauigkeit zu analysieren – und jedem die Möglichkeit zu eröffnen, Entdecker einer außerirdischen Intelligenz zu werden. Das Herzstück von SETI at home ist ein spezieller Bildschirmschoner, der zwar wie alle anderen Bildschirmschoner auch immer dann seine Arbeit aufnimmt, wenn sich der Benutzer zum Beispiel eine Kaffeepause gönnt. Statt jedoch nur auf besonders attraktive Weise den Bildschirm zu schonen, sucht der Computer derweil nach außerirdischer Intelligenz, indem er die vom Arecibo-Radioteleskop empfangenen Daten analysiert.

Die zugrundeliegende Durchmusterung wird etwa 28 Prozent des Himmels umfassen. Bei einer Empfindlichkeit von 3E-25 Watt pro Quadratmeter wird ein schmaler Frequenzbereich um 1420 Megahertz (die 21 Zentimeter-Wasserstoff-Linie) beobachtet, die von den meisten Wissenschaftlern als das wahrscheinlichste Frequenzband für beabsichtigte interstellare Übertragungen angesehen wird. Die enorme Datenmenge von insgesamt 39 Terabyte in zwei Jahren, wird in handliche "Pakete" aufgeteilt und an die einzelnen Computer verschickt, um dort während der Arbeitspausen analysiert zu werden.

Als Starttermin für das zwei Jahre dauernde Projekt ist der 17. Mai 1999 vorgesehen. Bis dahin sollen alle Test der Software abgeschlossen sein. Interessenten müssen sich nur in die Mailing-Liste eintragen und erhalten per E-Mail Bescheid, wenn der intelligente Bildschirmschoner zur Verfügung steht. Wer schon einmal einen Blick auf den Prototyp (Grafik, 102 Kilobyte) werfen möchte, der kann dies hier tun. Die Initiatoren des Projekts haben etwa eine Zahl von hunderttausend Computer angepeilt, um eine ausreichende Rechenleistung zu erreichen. Wer weitere Hintergrundinformationen haben möchte oder noch Fragen hat, wird auf der SETI at home-Homepage bestens bedient – auch wenn es um technische Details geht.

Sollte die Suche Erfolg haben, würde sich ein Wunschtraum der Initiatoren des SETI-Projektes Frank Drake und Carl Sagan (1934-1996) von der Cornell University erfüllen, die sich seit Ende der sechziger Jahre wissenschaftlich mit dem Thema außerirdische Intelligenzen auseinandergesetzt haben. Die Organisatoren von SETI at home garantieren, daß jeder Entdecker den Ruhm erhalten wird, den er verdient. Dem Optimisten sei angeraten, sich schon mal die Vorschriften bei Entdeckung einer außerirdischen Intelligenz zu Gemüte zu führen. Aber selbst wenn man der glückliche Entdecker sein sollte: Es ist dann mit Sicherheit immer noch zu früh, um Kaffee und Gebäck vorzubereiten.

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