Direkt zum Inhalt

News: Ein bisschen Stress kann nicht schaden

Lang anhaltender Stress ist nicht gut für die Gesundheit, vor allem unsere Abwehrkräfte leiden unter zu viel körperlicher und seelischer Belastung. Allerdings weisen neue Studien darauf hin, dass kurze Stressperioden das Immunsystem ankurbeln könnten, um den Körper auf mögliche Konsequenzen einer 'Gefahrensituation' vorzubereiten.
Um uns vor den täglichen Bedrohungen des Lebens, wie etwa Bakterien, Viren oder Chemikalien, zu schützen, besitzt unser Körper ein Immunsystem, das körperfremde Substanzen und Zellen erkennt und beseitigt. Dabei hat der Botenstoff gamma-Interferon, der zur Gruppe der Cytokine gehört, die Aufgabe, an der Immunreaktion beteiligte Zellen zu aktivieren und an den Ort der Verletzung oder Infektion zu rufen.

Firdaus Dhabhar und seine Kollegen von der Ohio State University untersuchten den Effekt von kurzzeitigem Stress auf die Immunantwort bei Mäusen mit normaler g-Interferon-Funktion und Tieren, denen der Botenstoff fehlte (Proceedings of the National Academy of Sciences vom 14. März 2000). Hierfür rasierten sie kleine Bereiche auf dem Rücken der Mäuse und behandelten diese Stellen mit einer Substanz – Dinitrofluorobenzol (DNFB) –, die eine dem Tuberkulosetest ähnliche Immunreaktion hervorruft.

Eine Woche später sperrten die Wissenschaftler die Hälfte der Tiere für zweieinhalb Stunden in einen engen Maschendrahtkäfig, was als psychischer Stress für die Nager angesehen wird, während die restlichen Mäuse ungestört in ihren Käfigen blieben. Anschließend behandelten die Forscher das rechte Ohr jeder Maus mit DNFB und maßen jeden Tag die Dicke der Mäuseohren, um daran das Ausmaß der Immunantwort abschätzen zu können.

Die Wissenschaftler konnten bei gestressten Mäusen mit normaler gamma-Interferon-Funktion einen beträchtlichen Anstieg der Ohrendicke beobachten. Am zweiten Tag nach der Stresssituation waren die Ohren der Tiere im Durchschnitt bis zu 60 Prozent angeschwollen. Im Vergleich dazu schwollen die der ungestressten Mäuse nur um etwa 30 Prozent. Dagegen zeigten die Mäuse, denen das gamma-Interferon fehlte, nur geringe Immunreaktionen. So stieg die Ohrdicke der gestressten Tiere im Durchschnitt um etwa 30 Prozent und der ungestressten um 25 Prozent an.

"Wir vermuten, dass in vielen Situationen von akutem Stress der Körper das Immunsystem darauf vorbereitet, mit möglichen Verletzungen und Infektionen konfrontiert zu werden", sagt Dhabhar. "Das Fehlen von Interferon schien diesen Stress-induzierten Anstieg der Immunreaktion wieder zu beseitigen."

Siehe auch

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte