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News: Ein erster Erfolg

Auch wenn die Rinderseuche BSE nicht mehr die Schlagzeilen bestimmt, sucht die Forschung weiterhin nach Mitteln gegen die tödlichen Prionen. Jetzt zeigt sich ein erster Erfolg.
Zum Ende des Jahres 2000 war BSE in aller Munde – fast im wahrsten Sinne des Wortes. Verdichtete sich doch der Verdacht, dass BSE-infiziertes Rindfleisch über die Ladentheke auf unseren Tellern landete und damit eine tödliche Gefahr drohte. Denn heute bezweifelt kaum noch jemand, dass die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) – auch unter dem Namen Rinderwahnsinn bekannt – beim Menschen eine Variante der bisher unheilbaren und immer tödlich endenden Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen kann.

Die Medizin ist so hilflos gegenüber dieser Bedrohung, weil sie nicht von einem "normalen" Bakterium oder Virus ausgelöst wird. Erreger ist vielmehr ein körpereigenes fehlgefaltetes Protein, dem sein Entdecker Stanley Prusiner den Namen Prion (proteinaceous infectious agent) gab. Und diese Prione lagern sich zu faserartigen Strukturen zusammen und zerstören so langsam aber sicher die Nervenzellen des Gehirns. Auch das Immunsystem sieht keinerlei Veranlassung, gegen die Irrläufer vorzugehen, gehören sie doch zum Inventar des Körpers.

Shneh Sethi von der Ludwigs-Maximilians-Universität München begab sich jetzt zusammen mit Kollegen von der Technischen Universität München auf die Suche nach einem Mittel, das Immunsystem dennoch zu aktivieren. Sie probierten es mit künstlichem genetischen Material, den so genannten CpG-Oligonucleotiden. Diese bestehen aus den Bausteinen Cytidin und Guanosin, die über eine Phosphodiesterbindung gekoppelt sind. Solche CpG-Inseln tauchen im Erbgut häufiger auf und kontrollieren hier das Ablesen bestimmter Gene. Wenn jedoch CpG-Oligonucleotide in den Körper injiziert werden, dann interpretiert sie das Immunsystem als mikrobielle DNA und wird entsprechend rege.

Die Münchener Wissenschaftler infizierten nun 24 Mäuse mit Prionen, die daraufhin an Scrapie – ebenfalls eine spongiforme Enzephalopathie – erkrankten. Als die Forscher dann ihren Mäusen CpG-Ologonucleotide verabreichten, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: Die Tiere überlebten im Schnitt fast 40 Prozent länger. Wiederholten die Forscher die Impfung über einen Zeitraum von drei Wochen, dann verlängerte sich die Überlebenszeit weiter.

Die Wissenschaftler geben sich optimistisch, dass ihre Impfung auch beim Menschen helfen könnte. "Von CpG-Oligonucleotiden kennt man bisher keine nachteiligen Effekte beim Menschen", betont Arbeitsgruppenleiter Hans Kretzschmar. "Daher sollte man sie als therapeutisches Mittel nach einer Prioneninfektion in Erwägung ziehen."

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