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Zwergplanet Pluto: Ein farbiger Pluto mit blauem Himmel und rotem Eis

Eine bläuliche Atmosphäre und rötliches Wassereis - Pluto verblüfft mit jedem weiteren Bit Daten, welches die Raumsonde New Horizons zur Erde überträgt.
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Am 14. Juli 2015 passierte die NASA-Raumsonde New Horizons den Zwergplaneten Pluto und seine fünf Monde und erfreut seitdem mit spektakulären Messdaten und Bildern. Auch die letzte Datenpräsentation der NASA zur New-Horizons-Mission wartet nun mit zwei grundlegenden Erkenntnissen auf: Die dünne Atmosphäre Plutos erscheint im Gegenlicht der Sonne blau – und auf Pluto gibt es rot gefärbtes Wassereis.

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Wassereis auf Pluto | Die Kombination von Aufnahmen des Spektrometers Linear Etalon Imaging Spectral Array (LEISA) mit solchen der Multispectral Visible Imaging Camera (MVIC) macht Regionen mit Wassereis auf der Oberfläche Plutos sichtbar. Sie sind in dieser Aufnahme blau dargestellt. Auch wenn die geografischen Bezeichnungen vorerst inoffiziell sind: Das meiste gefrorene Wassereis findet sich westlich des großen Kraters Elliot in der Grabenregion Virgil Fossa. Weitere Gebiete wurden in der Viking Terra am oberen Rand des Ausschnitts und in der gebirgigen Region Baré Montes im östlichen Teil entdeckt. Kleinere Vorkommen gefrorenen Wassers liegen in Kratern oder in Tälern zwischen Bergen. Der Ausschnitt misst in der Länge etwa 450 Kilometer.

"Diese Welt lebt, Pluto hat Wetter, es gibt Nebel in seiner Atmosphäre, er ist geologisch aktiv", bringt es Alan Stern, der Chefwissenschaftler der Mission, im Interview mit dem "Guardian" auf den Punkt: "Wer hätte einen blauen Himmel im Kuipergürtel erwartet? Es ist faszinierend."

Rotes Wassereis

Deutlich wird das auf dem nun vorgestellten Plutobild im Gegenlicht der Sonne, für das Aufnahmen im roten, blauen und infraroten Spektrum kombiniert wurden. Die Partikel der auf Pluto beobachteten Nebel sind zwar grau oder rot, jedoch streuen sie das Licht so, dass sie blau erscheinen. NASA-Forscherin Carly Howett erläutert das Prinzip: "Ein blauer Himmel ist Folge der Streuung des Sonnenlichts durch sehr kleine Teilchen. Auf der Erde sind dies Stickstoffmoleküle. Auf dem Pluto sind es größere – aber immer noch sehr kleine – rußartige Partikel." Diese so genannten Tholine entstehen, wenn das Sonnenlicht Stickstoff- und Methanmoleküle in der oberen Atmosphäre aufbricht, deren Überreste herabsinken und miteinander reagieren. Auch von der Atmosphäre des Saturnmonds Titan ist dieser Prozess bekannt.

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Plutos dünne Atmosphäre | Einem Astronauten würde Plutos dünne Atmosphäre im Gegenlicht der Sonne in genau diesem Blau erscheinen. Für dieses Bild wurden die mit der Ralph/Multispectral Visible Imaging Camera (MVIC) im blauen, roten und nahen Infrarot erfassten Informationen so aufbereitet, dass sie unserem visuellen Eindruck nahekommen.

Auf Plutos Oberfläche finden sich mehrere – spektroskopisch nachgewiesene – Regionen mit gefrorenem Wasser. Das Eigenartige hieran sei, sagt Silvia Protopapa von der University of Maryland, dass überall dort, wo die Hinweise auf Wassereis am deutlichsten seien, die Oberfläche des Pluto erstaunlich rot ist. Die Rotfärbung zeige im sichtbaren Spektrum aufgenommene Bilder. "Ich bin sehr erstaunt, dass dieses Eis so rot ist", sagt sie. Für diesen Zusammenhang habe man noch keine Erklärung. Zudem müsse man herausfinden, warum das gefrorene Wasser genau dort auftritt, wo man es nun gefunden hat, nicht aber in anderen Regionen.

Die Pluto-Mission New Horizons verläuft weiter problemlos, ergänzt die NASA: "New Horizons ist derzeit rund fünf Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, alle Systeme funktionieren und arbeiten normal." Noch hat die Raumsonde erst einen kleinen Teil der beim Vorbeiflug am Plutosystem gewonnenen Mess- und Bilddaten zur Erde gefunkt. Wir müssen uns noch etwa ein Jahr in Geduld üben, bis die Sonde ihre Daten vollständig zur Erde übertragen haben wird.

41/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 41/2015

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