Direkt zum Inhalt

News: Ein Gift wie aus dem Horrorfilm

Das Buruli-Bakterium ist ein äußerst gefährlicher Krankheitserreger. Es produziert ein Toxin, das langsam Gliedmaßen, Augen und Rumpf seines Opfers zerfrißt. Lange waren Wissenschaftler auf der Suche nach dem Giftstoff - jetzt endlich konnten sie ihn identifizieren und isolieren. Das Buruli-Toxin ist eine besondere Form von Lipid. Damit gehört es zur gleichen Stoffklasse wie die Gifte des Tuberkulose-Erregers. Die Forscher hoffen daher, mit ihren Erkenntnissen Fortschritte bei der Bekämpfung beider Krankheiten zu erreichen.
Wenn jemand mit dem Buruli-Bakterium – dessen wissenschaftliche Bezeichnung Mycobacterium ulcerans lautet – infiziert ist, sind die Bakterienherde oft nicht an der gleichen Stelle wie die beschädigten Hautregionen zu finden. Daraus schlossen Wissenschaftler bereits vor einiger Zeit, daß die eigentliche zerstörerische Aktivität von einem Toxin ausgeht, das die Bakterien absondern. Die Mikrobiologin Pamela Small von den Rocky Mountain Laboratories des National Institutes of Health verbrachte die letzten vier Jahre ihrer Forschungsarbeit mit der Suche nach diesem gefährlichen Gift.

Da die meisten natürlichen Toxine zu den Proteinen gehören, analysierte ihre Arbeitsgruppe in mühevoller Kleinarbeit jedes einzelne Protein des Buruli-Bakteriums. Der Erfolg blieb jedoch aus. Darum beschlossen Small und ihre Mitarbeiterin Kathleen George, sich einer weiteren Substanzgruppe zuzuwenden, die ebenfalls von dem Erreger an die Umwelt abgegeben wird: den Lipiden. Sie fanden heraus, daß ein bisher unbekanntes Lipid, das sie als Mycolacton bezeichneten, andere Zellen angreift. Als sie das Lipid in Meerschweinchen injizierten, fraß es den Tieren tatsächlich die Haut weg. Damit war den Forscherinnen klar, daß sie das gesuchte Toxin gefunden hatten (Science vom 8. Februar 1999).

Mit der Entdeckung des Mycolactons kann jetzt die Suche nach einem wirksamen Medikament oder gar einem Impfstoff gegen Buruli beginnen. Small hat aber noch weitergehende Hoffnungen. Sie glaubt, das Mycolacton könnte mit den lipidbasierten Toxinen des Tuberkulose-Erregers verwandt sein. Ihr schwebt eine gegenseitige Unterstützung bei der Entwicklung neuer Heilmittel vor. Außerdem, fügt sie an, testet das National Cancer Institute jetzt Mycolacton auf seine Eignung als Krebszellen-fressende Substanz. So wäre aus dem gefürchteten Gegner ein gezähmter Verbündeter geworden. Die Isolierung des Toxins, sagt Small, "war wirklich nur der Anfang."

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte