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Covid-19: Ein Grund, warum es Italien so hart trifft

Italien gehört weltweit zu den am schlimmsten von Covid-19 betroffenen Staaten. Eine der Ursachen liegt in der Alters- und Sozialstruktur des Landes.
Krankenhaus in Neapel, in dem Covid-19-Patienten getestet wurdenLaden...

Über 30 000 Infizierte, mehr als 2500 Tote (Stand 18. März, 13 Uhr), und die Zahlen steigen trotz aller Schutzmaßnahmen weiter dramatisch an: Italien gehört in der globalen Corona-Krise zu den am stärksten betroffenen Staaten. Und Hilfe scheint noch nicht in Sicht. Warum die Todesrate (case fatality rate, CFR) in dem südeuropäischen Land so hoch ist, darüber wird heftig debattiert. Neben einer hohen Dunkelziffer an glimpflich verlaufenden Fällen, welche die CFR insgesamt drücken würde, und dem überforderten Gesundheitssystem mit zu wenigen Beatmungsplätzen für schwer Betroffene werden auch demografische Faktoren genannt. Eine Studie von Jennifer Beam Dowd von der University of Oxford und ihrem Team stützt diese These in »Demographic Science« nun: Die besondere Alters- und Sozialstruktur des Landes erweise sich in dieser Pandemie als großer Nachteil.

In Italien lag der Altersmedian der Bevölkerung im Jahr 2018 bei 46,3 Jahren: der höchste Wert in Europa und der zweithöchste weltweit. Da Covid-19 vor allem für Menschen über 60 Jahre besonders gefährlich ist und das Risiko mit steigendem Alter und der Zahl an Vorerkrankungen zunimmt, hat Italien bereits ungünstige Voraussetzungen. Dazu komme jedoch die soziale Mobilität der jüngeren Bevölkerung. Viele junge Menschen wohnen noch zu Hause oder besuchen regelmäßig ihre Eltern und Großeltern. Der Kontakt zwischen den Generationen gilt als sehr eng.

Vor allem Kinder und jüngere Menschen zeigen nach einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus kaum Symptome, nur sehr selten werden sie schwerer krank: Vor allem zu Beginn des Ausbruchs in Italien haben sie daher wohl in großem Umfang das Virus verbreitet und in besonders gefährdete Bevölkerungsschichten getragen, so die Autoren. Zudem arbeiten viele junge Menschen in den Metropolen, pendeln aber zum Schlafen oder zu Besuch in die Vororte oder Dörfer, so dass dadurch viele neue Infektionscluster entstünden.

Italiens Regierung fürchtet deshalb, dass sich die Krankheitswelle aus dem Norden bald auf den Süden ausweitet. Vor der Ausgangssperre, die mittlerweile landesweit gilt, versuchten noch tausende Süditaliener aus den Städten im Norden, wo sie arbeiten, zu ihren Verwandten im Süden zu fliehen.

Dass eine alternde Bevölkerung jedoch nicht gleichbedeutend mit einer katastrophalen Entwicklung sein muss, zeigt das Beispiel Japan. Der ostasiatische Inselstaat hat die weltweit älteste Bevölkerung. Dennoch gelang es der Nation bislang mit strikten Reisebeschränkungen und raschem Testen in der Frühphase des Ausbruchs im Land die Zahl der bisher bekannten Krankheitsfälle niedrig zu halten. Allerdings, so monieren Kritiker, könnte das Bild mittlerweile durch zu wenige Tests im weiteren Verlauf der Krise verzerrt sein.

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