Direkt zum Inhalt

Borchemie: Ein Molekül aus rotierenden Ringen

Bor-Rad
Nicht in allen Verbindungen sind die Atome eines Moleküls so eindeutig miteinander verbunden, wie man es im Chemieunterricht in der Schule lernt. Einige Stoffe verschieben spontan Bindungen in ihrem Inneren, so dass sich die Beziehungen der Atome untereinander verändern. So zum Beispiel der Kohlenwasserstoff Bullvalen, der sich permanent zu sich selbst umlagert, so dass die einzelnen Atome alle Positionen in dem Molekül durchwandern.

Bei einem anderen Molekül führen diese wechselnden Bindungen sogar dazu, dass ein Teil des Moleküls gegen den anderen rotiert. Das entdeckten Chemiker um Gabriel Merino von der Universidad de Guanajuato in Mexiko und Thomas Heine von der Jacobs University Bremen in einer Computersimulatiom.

© Gabriel Merino
Ein molekularer Wankelmotor
Diese Struktur aus 19 Boratomen besteht aus zwei Ringen, die in entgegengesetzter Richtung rotieren

Sie berechneten einen einfach negativ geladenen Cluster aus 19 Boratomen, die in einem inneren und einem äußeren Ring angeordnet sind. Beide Ringe sind aromatisch, also mit dem Benzolring des Kohlenstoffs verwandt, so dass das Molekül insgesamt planar ist.

Die "Speichen", die diese beiden Ringe radial verbinden, können sich jedoch mit sehr wenig Energieaufwand umlagern, so dass eine Bindung zwischen zwei Atomen gelöst und zwischen zwei anderen neu geschlossen wird. Das führt dazu, dass sich die beiden konzentrischen Ringe permanent gegeneinander verdrehen – die Wissenschaftler nennen ihre Schöpfung deswegen einen molekularen Wankelmotor. (lf)

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

  • Quellen
Merino, G. et al.: B19-: An Aromatic Wankel Motor. In: Angewandte Chemie International Edition 10.1002/anie.201001275, 2010.

Partnerinhalte