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News: Ein Monitor zeigt 3-D

Teure Computermonitore und Fernseher versagen, wenn es um räumliche Tiefe geht. So lassen sich etwa Konstruktionsteile, Gehirnwindungen oder Landschaften normalerweise nur zweidimensional darstellen. In jüngster Vergangenheit wurden weltweit Verfahren entwickelt, die dreidimensionale Bilder wiedergeben können. Der Nachteil: Um einen räumlichen Eindruck zu erhalten, benötigt der Betrachter meist spezielle Brillen, Prismen oder andere teure Hilfsmittel. Mit einem neuen 3-D-Wiedergabesystem kann jetzt auf solche Zusätze verzichtet werden.
Ganz ohne Brille kommt die Entwicklung der Firma ICE Oelsnitz/Vogtland aus. In einer Kooperation aus vier sächsischen Firmen und Hochschulen entstand innerhalb von zwei Jahren das 3-D-Wiedergabesystem HOLOTRON. Allein durch Bewegen des Kopfes lassen sich Objekte, ähnlich einer Holographie, auch von der Seite betrachten. Dabei verblüfft besonders, daß vorspringende Teile regelrecht aus dem Bildschirm herauszuragen scheinen. Der neuartige Monitor aus dem Vogtland wird erstmals vom 19. bis 25. März 1998 auf der CeBIT in Hannover (Halle 22, Stand C25) vorgestellt.

"Das HOLOTRON-Verfahren nutzt die Eigenheiten der menschlichen Physiologie wie Augenabstand, Blicktiefe und das Zusammenlaufen der Sehachsen", verrät Reiner Sombrowsky, einer der vier ICE-Gesellschafter. Der Betrachter sieht einen vor ihm stehenden Gegenstand mit dem linken Auge aus einer etwas anderen Richtung als mit dem rechten Auge, das Gehirn fügt beide Bilder zu einem Ganzen zusammen.

Dabei entsteht ein räumlicher Eindruck des Gegenstandes. Das neue Verfahren zeigt dem Betrachter bei beliebigem Betrachtungswinkel diesen Gegenstand nun abwechselnd so, wie er mit dem rechten und mit dem linken Auge aussehen würde. Die beiden Bilder wechseln dabei so schnell, dass sie im Gehirn zu einem einzigen, aber räumlichen Bild verschmelzen.

Die Idee für den neuen Monitor kam Sombrowsky beim Rasieren. "Ein Spiegel ist schließlich auch flach und lässt das Gesicht räumlich erscheinen", erzählt der Erfinder. Sombrowsky, der von Haus aus Mathematiker ist, tüftelte viele hundert Stunden an dem HOLOTRON-Verfahren, das mittlerweile weltweit patentiert ist. Die vom sächsischen Wirtschaftsministerium geförderte Entwicklung hat aber noch weitere Väter: Die Technische Universität Chemnitz entwarf und baute eine Grafikkarte für den ISA-Bus. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Mittweida entwickelte eine universelle Grafikkarte mit erweitertem Funktionsumfang für den PCI-Bus und verbesserte das HOLOTRON-Verfahren hard- und softwareseitig. Stromversorgung, Videoverstärker und Ablenkgenerator steuerte die Dresdener Firma VAD Video-Audio-Design bei.

In der Zeit, in der ein konventioneller Monitor ein Bild zeigt, liefert das neue Gerät deren 10 bis 22; das erfordert 574 verschiedene Bilder pro Sekunde. Eine Modulatoreinheit, das ist eine dicht vor dem Bildschirm angebrachte Scheibe aus nematischen Flüssigkristallen, wird synchron mit dem Monitor angesteuert und gibt das Licht nur in der jeweils richtigen Richtung frei. So kommt es zustande, daß der Monitor aus verschiedenen Blickwinkeln geringfügig unterschiedliche Ansichten liefert – wie ein Rasierspiegel eben.

Der erste kommerzielle monochrome 3-D-HOLOTRON-Monitor hat eine Bilddiagonale von sechs Zoll. Das Nachfolgemodell wird eine 10-Zoll-Bilddiagonale, 24 Bit Farbtiefe und eine höhere Auflösung haben. Der Prototyp des 6-Zoll-Monitors wird bereits in der Medizin angewandt: Die Firma IVS Chemnitz wertet mit HOLOTRON erfolgreich die Daten eines weitverbreiteten Röntgenverfahrens aus – nämlich der Computertomographie.

Anatomische Strukturen des menschlichen Körpers lassen sich auf dem HOLOTRON-Monitor räumlich darstellen – und rasend schnell dazu. Das eigens entwickelte medizinische Computerprogramm von IVS erlaubt so Diagnosen, die wesentlich sicherer sind als bisher. Auch für das Fernsehen oder Computerspiele eignet sich der neuartige Monitor. "Aber das ist noch Zukunftsmusik", so Sombrowsky.

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