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News: Ein neuer Mond für Uranus

Normalerweise erstreckt sich die heiße wissenschaftliche Phase einer Weltraumexpedition über die nächsten Monate bis wenige Jahre, nachdem eine Sonde ihr Ziel erreicht hat. Große Entdeckungen wie zum Beispiel neue Monde um einen Planeten werden für gewöhnlich innerhalb von Tagen oder gar Stunden gemacht. Aber mitunter dauert es eben auch mal länger. Dreizehn Jahre nachdem die Raumsonde Voyager 2 am Uranus vorbeigeflogen ist, hat ein Wissenschaftler auf Fotos von dieser Begegnung einen neuen Trabanten des Gasriesen entdeckt. Die Zahl der Uranusmonde steigt damit auf 18 - und wer weiß, wieviele noch ihrer Entdeckung harren.
Uranus mit Monden
Mit der Absicht, bessere Bahndaten für die bekannten Monde des Planeten Uranus zu berechnen, sichtete Erich Karkoschka vom Lunar and Planetary Laboratory der University of Arizona in Tucson rund 300 Aufnahmen, die im Januar 1986 die Raumsonde Voyager 2 gemacht hat, als sie an dem riesigen Gasball vorüberflog. Damals hatten Wissenschaftler zehn neue Satelliten auf den Bildern entdeckt und die Anzahl der bekannten Uranusmonde auf 15 hochgeschraubt. Erst 1997 fügten Brett Gladman vom Canadian Institute for Theoretical Astrophysics und Philip Nicholson von der Cornell University nach Beobachtungen mit einem erdgebundenen Teleskop der Liste zwei weitere kleine Trabanten zu. Bei dem schwachen Lichtfleck, den Karkoschka auf sieben der Voyager-Fotos fand, handelte es sich aber um keinen dieser Monde. Und auch die zu Rate gezogenen Sternenkarten wußten keine Antwort. Offensichtlich handelte es sich um einen bislang unbekannten Mond.

Der neue Trabant wird vorläufig noch als S/1986 U 10 bezeichnet. Er ist ungefähr 51 000 Kilometer vom Uranus entfernt und benötigt für eine Umrundung des Planeten 15 Stunden und 18 Minuten. Mit einem Durchmesser von etwa vierzig Kilometern hat er eine ähnliche Größe wie der Komet Hale-Bopp. Nach Aussage von Karkoschka ist er auch vergleichbar zusammengesetzt. Einmal im Monat kommen sich die Monde S/1986 U 10 und Belinda aufgrund ihrer ähnlichen Umlaufbahnen sehr nahe.

Von den Planeten Jupiter und Saturn sind Monde bekannt, die nur halb so groß wie S/1986 U 10 sind. Doch der weiter entfernte Uranus empfängt viel weniger Licht von der Sonne und leuchtet dementsprechend schwächer, so daß es schwierig ist, kleinere Begleiter ausfindig zu machen. Es ist daher gut möglich, daß mit den nunmehr 18 Monden längst nicht alle Objekte des Uranussystems gefunden sind.

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