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News: Ein Pheromon für alle Fälle

Insektenweibchen verführen ihre Liebhaber mit ganz bestimmten Duftstoffen. Verändern sich diese, bedeutet das jedoch nicht zwangsläufig ein ödes Single-Dasein, sondern kann sogar zur Entstehung neuer Arten führen.
Maiszünsler klein
Wer sagt, er könne jemanden "nicht riechen", spielt damit eher selten auf die eigene verschnupfte Nase an. Vielmehr scheinen die vom Körper produzierten Duftstoffe bei uns Menschen Gefühle auszulösen, die unbewusst über Sympathie oder Abneigung entscheiden und für die Partnerwahl dementsprechend wichtig sind.

Im Insektenreich, wo sie zum Beispiel Schmetterlingen bei der Partnersuche helfen, ist man diesen so genannten Pheromonen schon vor etwa 40 Jahren auf die Schliche gekommen: Weibchen produzieren ihre Lockstoffe in speziellen Drüsen, denen die Männchen – dem Gesang der Sirenen gleich – nur schwer widerstehen können und quasi willenlos bis hin zur Partnerin folgen.

Da Pheromone artspezifisch sind, lassen sich durch einfache Konzentrationsmessungen in der Luft auch Rückschlüsse auf die Zahl der dort lebenden Insekten ziehen. Darüber hinaus benutzt man sie, um bestimmte Schädlinge von land- oder forstwirtschaftlichen Nutzflächen fernzuhalten, in dem man die lüsternen Männchen mit ihrer Hilfe in tödliche Fallen lockt.

Auch Wendell Roelofs von der Cornell University in New York beschäftigte sich mit diesem Thema und untersuchte die Pheromone des Maiszünslers (Ostrinia nubilalis). Zusammen mit seinen Kollegen entschlüsselte er deren Biosyntheseweg und stieß dabei auf das bislang unbekannte delta-14-Gen. Dieses Gen, das normalerweise ausgeschaltet ist, bewirkt eine chemische Veränderung der Duftstoffe, was eigentlich zu Problemen bei der Partnersuche führen sollte – doch offenbar erwies sich das Gen als geheimer Vorteil in der Evolution.

Roelofs vergleicht die Pheromone mit Radiofrequenzen: Sie sind so spezifisch, dass jede Art sich nur auf einer bestimmten Frequenz untereinander verständigen kann – wird das delta-14-Gen eingeschaltet, wechselt das Falterweibchen quasi die Frequenz. Unter allen Maiszünslern gibt es allerdings einige wenige – etwa 0,5 Prozent – die in der Lage sind, beide dieser Frequenzen zu empfangen. Diese Falter bilden dadurch spontan eine eigenständige Gruppe.

Schon nach kurzer Zeit, das zeigten die Wissenschaftler, kommunizieren sie nur noch auf der neuen Frequenz und verlieren vollständig den Kontakt zu ihren ehemaligen Artgenossen. Ehemalig, weil die Falter auf diese Weise tatsächlich eine eigene, abgegrenzte Fortpflanzungsgemeinschaft bilden und damit den ersten Schritt in Richtung einer neuen, eigenständigen Art machen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass diese spontan aktivierten Gene eine wichtige Rolle in der Evolution der Insekten und ihrer Pheromone gespielt haben könnten. Außerdem sehen sie darin einen möglichen Mechanismus zur Entstehung von Resistenzen bei der Schädlingsbekämpfung: Eine chemische Veränderung der Duftstoffe würde Pheromon-Fallen vermutlich wirkungslos machen.

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