Seltsame Wolkenmuster am Saturnsüdpol: Ein polares Dekagon auf Saturn

Seit den Vorbeiflügen der beiden Voyager-Raumsonden in den Jahren 1980 und 1981 kennt man das polare Hexagon am Nordpol von Saturn, eine Struktur, die seit Jahrzehnten in der Wolkendecke des Gasriesen stabil ist. Nun wurde auf der Südhalbkugel des Planeten auf Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble eine ähnliche Struktur aufgespürt, ein Zehneck oder Dekagon. Auch dieses ist eine Wolkenstruktur, hat sich aber im Gegensatz zum nordpolaren Hexagon erst ab dem Jahr 2023 entwickelt und ist immer noch sichtbar. Es könnte sich weiterentwickeln.
Hier ist das Dekagon um den Südpol des Planeten Saturn zu sehen, der auf diesem Bildmosaik des Weltraumteleskops Hubble vom 29. August 2025 noch im Dunkel der Polarnacht liegt. Das Mosaik besteht aus Aufnahmen, die an diesem Datum über mehrere Stunden hinweg entstanden und auf den Pol projiziert wurden. Das Dekagon befindet sich am Rand des dunklen Bereichs.
Vermutlich sind beide Strukturen durch stehende Wellen in tieferen Schichten der Atmosphäre des Gasriesen entstanden. Die Ecken des Dekagons scheinen mit einer Periode von 32 Tagen um die jeweiligen Längengrade mit Schwankungen von 4,6 Grad bis 8,4 Grad zu oszillieren. Es erstreckt sich zwischen 58 Grad und 63 Grad südlicher Breite und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde (9 Kilometern pro Stunde) nach Osten, sehr viel langsamer als ein Strahlstrom auf einer Breite von 60,5 Grad Süd, der mit 116 Metern pro Sekunde (418 Kilometern pro Stunde) weht. Das Dekagon könnte durch den Strahlstrom hervorgerufen und auf seiner südlichen Breite festgehalten werden oder durch einen weiter nördlich befindlichen Sturmwirbel. Das müssen weitere Beobachtungen mit Hubble klären.
In den nächsten Monaten und Jahren wird sich der Südpol des um 27 Grad zu seiner Umlaufbahn geneigten Saturn immer mehr der Sonne zuwenden, sodass das südliche Dekagon immer besser beleuchtet und deutlicher sichtbar werden wird. Mit geeigneten Weltraumteleskopen wie Hubble oder James Webb lassen sich weitere Bilder des neuen Phänomens in der Atmosphäre des Ringplaneten sichten, falls es länger Bestand haben sollte. Trotz der scheinbar ruhigen Erscheinung von Saturn im Teleskop ist das dortige Wettergeschehen sehr dynamisch. Allerdings lässt es sich wegen geringer Kontraste längst nicht so leicht verfolgen wie auf dem inneren Nachbarplaneten Jupiter mit seinen bunten Farben.
Eine Kombination aus Bildern im sichtbaren Licht und im nahen Infraroten lässt in dieser Falschfarbendarstellung die Strukturen am Nordpol des Saturn besonders schön hervortreten. Exakt in der Bildmitte befindet sich der hier rötlich erscheinende Polarwirbel mit rund 2000 Kilometern Durchmesser. Ihn umgibt das polare Hexagon mit einem Durchmesser von etwa 20 000 Kilometern. Am rechten oberen Bildrand ist in Blau ein Teil der Saturnringe sichtbar.
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