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News: Ein Pulsar lügt über sein Alter

Nicht nur manche Frauen schwindeln gerne über ihr Alter, auch Pulsare scheinen es hier mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Anhand von Strahlungsimpulsen hatten Astronomen die Geschwindigkeit des kleinen Sterns auf seinem Weg vom Zentrum der Supernova zu seinem jetzigen Standort bestimmt. Doch seine Reisegeschwindigkeit scheint viel langsamer zu sein als bisher angenommen und der Stern damit einige Tausend Jahre älter. Die Alterslüge könnte auch andere gängige Theorien über Neutronensterne ins Wanken bringen.
Manche Sterne verabschieden sich am Ende ihrer Entwicklung mit einem großen Knall. In einer Supernova verlieren sie explosionsartig sehr viel Masse und lassen gelegentlich einen Neutronenstern zurück. Dieser kleine, extrem dichte Stern hat in etwa dieselbe Masse wie die Sonne, aber einen Durchmesser von nur 20 Kilometern – oder noch weniger – und ein bewegtes Inneres aus freien Neutronen. Einige Neutronensterne machen als Pulsare auf sich aufmerksam, indem sie Strahlungsimpulse vor allem im Bereich von Radiowellen, aber auch im optischen Spiralbereich bis hin zu Röntgen- und Gammastrahlen aussenden. "Die Signale von einem wirbelnden Pulsar sind so regelmäßig wie eine Atomuhr", sagte Morris Aizenman von der National Science Foundation (NSF). "Und seit drei Jahrzehnten haben wir uns auf die Signale verlassen, um das Alter von Pulsaren zu bestimmen". Doch dies scheint ein Irrtum gewesen zu sein.

Die kleinen Strahler lassen sich auf ihrer Reise vom Explosionszentrum in die Weiten des Weltalls offenbar viel mehr Zeit als bisher angenommen. Bryan Gaensler vom Massachusetts Institute of Technology und Dale Frail vom National Radio Astronomy Observatory des NSF nutzten für neue Messungen das Very Large Array, eine Anordnung von 27 Radioteleskopen in New Mexico. Dabei untersuchten sie die Geschwindigkeit des Pulsars B1757-24, der 15 000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Sagittarius seinen Platz gefunden hat. Bislang galt B1757-24 mit angenommenen 16 000 Jahren als Teenager unter den funkenden Sternen, muss aber in eine höhere Altersklasse aufrutschen. Er hat mindestens 40 000, wenn nicht sogar 170 000 Jahre hinter sich, seit er bei einer Supernova entstanden ist. Dies leitet sich aus der Strecke ab, die der Pulsar seit seiner Geburt zurückgelegt hat. Aus dem Vergleich zweier Bilder aus den Jahren 1993 und 1999, die mit dem Very Large Array aufgenommen wurden, errechneten die Astronomen eine Geschwindigkeit von nicht mehr als 350 Meilen pro Sekunde. Ein ganzes Stück langsamer als die ihm nachgesagten 1000 Meilen pro Sekunde.

"Das bedeutet, dass der Pulsar viel länger brauchte, um seine jetzige Position zu erreichen, und deshalb ist das Objekt viel älter, als wir bisher glaubten", sagte Frail. Dieser Altersunterschied zwingt die Forscher, über Neutronensterne und ihre Geheimnisse nochmal nachzudenken. Denn vielleicht haben sie nicht nur über ihr Alter gelogen.

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