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Erdgeschichte: Ein Stück Grand Canyon in Tasmanien

Der Grand Canyon hat eine Art Zwilling - am anderen Ende der Welt. Zumindest findet sich ein Gestein in Tasmanien, das ursprünglich mit dem Westen der USA zusammenhing.
Grand Canyon

Vor 5,3 Millionen Jahren begann wahrscheinlich die Geschichte des Grand Canyons im Westen der USA; heute durchschneidet die imposante Schlucht Gesteine, deren Geschichte sogar noch weiter zurückliegt: Bis zu 1,5 Milliarden Jahre sind die untersten Schichten alt, an denen sich der Colorado River heute abarbeitet. Ein Teil der freigelegten Gesteine ist nun auch an einer unerwarteten Stelle nachgewiesen worden – zehntausende Kilometer entfernt in Tasmanien, wie Jacob Mulder von der Monash University in Clayton und sein Team in »Geology« schreiben. Dort fanden sich Formationen, die oberflächlich schon immer eine Ähnlichkeit mit Gesteinen aus der so genannten Unkar Group aufwiesen, die in den tiefsten Bereichen des Grand Canyons ans Tageslicht treten. Geologische und geochemische Analysen bestätigten, dass es sich dabei um praktisch identische Minerale handelt, die einst zusammenhingen.

Dieses Ergebnis habe weit reichende Konsequenzen für die Erdgeschichte und die Plattentektonik, so die Geowissenschaftler. Denn das Ergebnis spreche dafür, dass das Gebiet des heutigen Grand Canyons und die obere Rocky Cape Group in Tasmanien einst eine Einheit waren – die sich im Lauf der Zeit getrennt haben und in verschiedene Richtungen der Erde gedriftet sind. Dafür sprechen das gleiche Ablagerungsalter, eine sehr ähnliche Abfolge der Schichten sowie identische Isotopensignaturen. Beide Gesteinsformationen waren vor 1,3 Milliarden Jahren Teil des Superkontinents Rodinia, der wiederum vor 750 Millionen in kleinere Kontinente und Plattenteile zerbrach. Wie diese Einzelteile Rodinias allerdings zusammenpassten, ist noch weitgehend unbekannt. Sicher scheint mit dem Fund allerdings, dass ein Teil des heutigen Australien mit dem Westen Nordamerikas zusammenhing.

44/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 44/2018

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