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News: Ein überraschender Fund

In den geschädigten Hirnzellen von Menschen, die zu Lebzeiten an der Alzheimer-Krankheit litten, wurden gefährliche Bakterien sozusagen in Lauerstellung gefunden. Diese Bakterien lebten noch: Die Wissenschaftler waren in der Lage eine Bakterienkultur aus dem geschädigten Hirngewebe zu züchten. Es stellt sich nun die Frage, ob und wie diese Bakterien die Alzheimer-Krankheit beeinflussen.
Auf der jährlichen Tagung der Society for Neuroscience im November 1998 berichteten Wissenschaftler, daß sie in den geschädigten Hirnzellen mehrerer Alzheimer-Opfer gefährliche Bakterien gefunden haben: Chlamydien. Die Wissenschaftler ziehen deswegen in Betracht, daß ein Pathogen bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielt. Allerdings muß ihre Entdeckung erst noch von anderen Forschergruppen bestätigt werden.

Alzheimer tötet Nervenzellen im Hippocampus ab, einem für das Lernen und die Gedächtnisleistung äußerst wichtigen Bereich des Gehirns. Erst nach dem Tod des Patienten können die Ärzte eine definitive Diagnose stellen, indem sie nach Proteinplaques in den Nervenzellen suchen. Die Ursache für die Degeneration der Nervenzellen bei der späten Form der Krankheit – der häufigsten Variante von Alzheimer – bleibt unter Wissenschaftlern weiterhin umstritten. Ausgangspunkt für Brian Balin, Neurobiologe am Philadelphia College of Osteopathic Medicine, und seine Kollegen war, daß das geschädigte Hirngewebe entzündet war und Entzündungen auch ein Kennzeichen einer Infektion sind. Die Wissenschaftler fragten sich, ob ein lange im menschlichen Körper lebendes Bakterium, Chlamydia pneumoniae, das bei älteren Menschen häufig zu finden ist, vielleicht wirklich das Gehirn von Alzheimer-Patienten infizieren könnte.

Das Team untersuchte die Gehirne von verstorbenen Alzheimer-Patienten und als Kontrollgruppe die Gehirne von Menschen, die wegen anderer Ursachen gestorben waren. Bei 17 der 19 Alzheimer-Opfer entdeckten sie Überreste von Chlamydien-DNA aus geschädigten Hirnbereichen, während 18 von 19 Hirnen der Kontrollgruppe keinerlei Anzeichen einer Infektion erkennen ließen. Dabei benutzten die Wissenschaftler Antikörper, die sich an Bakterien anheften, und färbten die Antikörper-Bakterien-Komplexe ein. Bei der Untersuchung des Gewebes unter dem Elektronenmikroskop fanden die Forscher eine Anhäufung von Chlamydien innerhalb der sogenannten Glia-Zellen. Die Bakterien wurden dabei fast ausschließlich in den geschädigten Hirnbereichen der Alzheimer-Patienten entdeckt. Um zu zeigen, daß die Chlamydien am Leben waren, züchtete das Team Bakterienkulturen aus dem Hirngewebe. Balin meint, seine Ergebnisse seien starke Hinweise auf eine Infektion, die zu einer Schädigung führen kann, wie man sie an Alzheimer-Hirnen beobachtet hat.

Weitergehende Studien sind allerdings noch erforderlich. Zum Beispiel ist unklar, ob die Chlamydien wirklich die Entwicklung der Krankheit beeinflussen oder ob Alzheimer-Kranke lediglich anfälliger für Gehirninfektionen sind.

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