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News: Ein Verhütungsmittel für Ruderfußkrebse

Für kleine Meeresbewohner, die sich am Plankton weiden, sind die mikroskopisch winzigen Kieselalgen eine begehrte Delikatesse. Und wie so viele Leckereien sind auch diese ungesund - zumindest für manche. Mindestens zwei Algenarten sorgen jedenfalls bei Ruderfußkrebsen für Nachwuchsprobleme - wie ein natürliches Verhütungsmittel reduzieren sie den Bruterfolg. Das könnte sich sehr nachteilig auf das gesamte Nahrungsnetz im Meer auswirken.
Die Ökologin Adrianna Ianora und der Neurobiologe Antonio Miralto von der Stazione Zoologica "Anton Dohrn" in Neapel, Italien, bemerkten den Kieselalgen-bedingten Rückgang im Bruterfolg der Ruderfußkrebse (Copepoda) zunächst nur im Labor. In den Jahren 1997 und 1998 sammelten die Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter aber auch Proben von freilebenden Copepodenpopulationen. Im Winter ernähren sich die Tiere vor allem von Kieselalgen (Diatomeen), die zu der Zeit gerade eine Planktonblüte verursachen. Im Sommer sind die Diatomeenzahlen dagegen gering, und die Copepoden verlagern sich auf gemischte Algenkost. Zwar produzierten die Ruderfußkrebse zu Zeiten der Planktonblüte mehr Eier, aber nur ein Viertel der Nachkommen schlüpfte auch tatsächlich. Im Gegensatz dazu lag der Bruterfolg im Juni bei neunzig Prozent.

Die Wissenschaftler konnten aus den Diatomeen drei Aldehyde isolieren, die bereits in sehr geringen Konzentrationen das Schlüpfen der Jungtiere unterdrückten (Nature vom 11. November 1999). Womöglich handelt es sich dabei um eine Waffe der Kieselalgen, mit der sie sich gegen das Gefressenwerden schützen.

Von terrestrischen Pflanzen kennt man Stoffe, welche die Fortpflanzung von Herbivoren unterdrücken, aber "diese Art von Interaktion war für marine Lebensräume bisher nicht bekannt", erzählt Ianora. "Das Fazit ist, daß diese Diatomeen für die Copepoden schlecht sind", stimmt Gustav Paffenhofer vom Skidaway Institute of Oceanography in Savannah, Georgia, zu. Er fügt aber hinzu, daß andere Forscher keinen derartig starken Rückgang in Fortpflanzungserfolg der Ruderfußkrebse beobachten konnten. Womöglich habe die schwere Umweltverschmutzung an der Adria den Effekt verstärkt.

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