Direkt zum Inhalt

News: Ein Vorgeschmack auf Zyklus 23

Der aktuelle Sonnenfleckenzyklus wird heftigere Aktivitäten als gewöhnlich mit sich bringen, und die Sonne sieht wohl auch keinen Grund, das zu verbergen. Protonen aus einer starken Eruption trafen das weltallgestützte Sonnenobservatorium SOHO und hinterließen ihre Spuren auf den Detektoren.
Das Solar and Heliospheric Observatory (SOHO) befindet sich in einer Umlaufbahn außerhalb des schützenden Erdmagnetfeldes. Darum wurden die CCD-Detektoren (charged-coupled devices), mit denen die Sonde ihre Aufnahmen macht, bei der Sonneneruption am 20. April 1998 so schwer von den ausgestoßenen energiereichen Protonen getroffen, daß ihre Bilder wie zerkratzt aussehen.

"SOHO hat sowas schon früher durchgemacht, aber dies ist das erste Mal, daß ich soviel Müll [auf den Bildern] sehe", kommentierte Edwin Reichmann vom Marshall Space Flight Center der NASA. Zusammen mit Dave Hathaway und Robert Wilson hatte er vor kurzem darauf hingewiesen, daß der jetzt beginnende Sonnenfleckenzyklus 23 stärker als gewöhnlich ausfallen wird, auch wenn er vermutlich keine neuen Rekorde aufstellen wird.

Die Sonneneruption vom 20. April wurde auch vom Geostationary Operational Environmental Satellite (GOES-8) mit den sonnenwärts gerichteten Röntgenstrahlen-Detektoren aufgezeichnet. Derartige Ausbrüche oder Flares werden auf einer Skala mit vier groben Einteilungen – B, C, M und X – gemessen, wobei die schwächsten Eruptionen in Gruppe B fallen. In die jeweils nächsthöhere Klasse kommen um das zehnfache stärkere Ausbrüche. Das beschriebene Ereignis wurde als M 1.4-Flare klassifiziert.

"Die meisten Flares in unserem Sonnensystem fallen in die C-Klasse", erklärte Reichmann. "Da der Sonnenzyklus auf sein Maximum zugeht, fangen wir an, auch Ausbrüche der M- und X-Klasse zu verzeichnen." Die heftigste Eruption während des letzten Zyklus gehörte zur X13-Gruppe. Damit bezeichnen die Forscher Ereignisse, die den Detektor sättigen und so regelrecht blind machen. Die normale Feineinteilung reicht eigentlich von X1 bis X10.

Flares im oberen M-Bereich oder aus der X-Klasse können elektronische Geräte überladen und Ausfälle verursachen, wenn die Techniker keine Gegenmaßnahmen treffen. Die Protonen, die auf den SOHO-Bildern ihre Spuren hinterlassen haben, sind immerhin fast mit Lichtgeschwindigkeit aufgeschlagen. Doch bei nachlassender Teilchendichte werden sich auch die Detektoren wieder erholt haben.

Siehe auch

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte