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News: Ein Vulkan und ein kalter Winter

Schon der nächste größere Vulkanausbruch könnte ein Loch in die Ozonschicht über der Arktis reißen. Dazu müsste er lediglich mit einem besonders kalten Winter in den nördlichen polaren Breiten zusammenfallen.
In den kommenden drei Jahrzehnten wird nach Meinung von Azadeh Tabazadeh und ihren Kollegen vom NASA Ames Research Center in Kalifornien aller Wahrscheinlichkeit nach ein 'vulkanisches Ozonloch' über der Arktis entstehen. Einmal gebildet werde es dann jahrelang jeden Frühling erneut aufreißen, ganz so wie es über der Antarktis bereits seit den 80er Jahren der Fall ist.

Nur hätte ein vergleichbares arktisches Ozonloch ungleich schwerwiegendere Folgen, da die nördlichen Polargebiete dichter besiedelt sind.

In den polaren Breiten ist die stratosphärische Ozonschicht besonders anfällig. Wird es hier ungewöhnlich kalt, bilden sich so genannte 'polare stratosphärische Wolken', die reich an Salpetersäure und maßgeblich an der Zerstörung des Ozons beteiligt sind.

Infolge großer Vulkaneruptionen können sich ganz ähnliche Wolken bilden, die allerdings reich an Schwefelsäure sind und ebenfalls die Ozonschicht angreifen.

Entscheidender ist jedoch, dass die Aerosolgehalte in der Atmosphäre nach Vulkanausbrüchen ansteigen und bei höheren Temperaturen in tieferen Luftschichten der Stratosphäre Ozon zerstörend wirken. Dadurch breiten sich die Bereiche des Ozonabbaus in den polaren Luftmassen nicht nur horizontal sondern auch vertikal aus.

Katja Drdla, eine Co-Autorin der Studie, schätzt, dass vulkanische Aerosole in tieferen Luftschichten zusammen mit polaren stratosphärischen Wolken im Frühling eines kalten Jahres den Ozonabbau um 70 Prozent steigern würden. Nimmt man die letzten Jahrzehnte als Vergleich, so liegt die Wahrscheinlichkeit eines kalten arktischen Winters mit erhöhten atmosphärischen Schwefelkonzentrationen durch Vulkanausbrüche bei 15 Prozent - das entspricht fünf Wintern in den nächsten 30 Jahren.

Wenn Vulkanausbrüche eine derart bedeutsame Rolle spielen, ist der Mensch als Hauptverantwortlicher für ein arktisches Ozonloch aus dem Schneider?

Freilich nicht. So waren 1982 beim Ausbruch des El Chichon die Mengen der vom Menschen produzierten Ozon zerstörenden Chlorverbindungen in der Stratosphäre nur noch nicht hoch genug und die Jahre nach der Eruption des Pinatubo 1991 glücklicherweise zu warm, um in dem von Tabazadeh beschriebenen Szenario zu enden.

Die Forscher beobachteten jedoch, dass sich das Ozonloch über dem Südpol, über den jedes Jahr ein kalter Winter hereinbricht, in den Jahren nach den Eruptionen erheblich ausweitete. Ähnliches könnte nun auch über der Arktis beginnen - durch einen Vulkan und einen kalten Winter.

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