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Coronavirus: Ein weiterer Impfstoffkandidat zeigt überraschend hohe Wirksamkeit

Mit einer Wirksamkeit von knapp 95 Prozent besteht ein weiterer Impfstoffkandidat seinen wichtigsten Test. Hersteller Moderna will nun eine Notzulassung in den USA beantragen.
Welcher Impfstoff gegen das Coronavirus erweist sich als wirksam?Laden...

Auch der Impfstoffkandidat der US-Pharmafirma Moderna verhindert offenbar in vielen Fällen eine Covid-19-Erkrankung. Das zumindest geht aus einem groß angelegten Test der Vakzine hervor, dessen Ergebnisse der Hersteller nun in einer Pressemitteilung veröffentlicht hat. Auch wenn die Erprobung noch nicht abgeschlossen ist, will der Hersteller bereits bei den zuständigen US-Behörden eine Notfallzulassung beantragen.

Moderna stützt sich dabei auf die laufende klinische Phase-III-Studie des Impfstoffs, an der 30 000 Probanden teilnehmen. Unter den 15 000 Freiwilligen, die den Impfstoff erhielten, erkrankten nur fünf an Covid-19 und davon keiner schwer. In der gleich großen Gruppe der Teilnehmer, die bloß ein Placebo erhielten, waren es insgesamt 90 Personen, die an einer Infektion mit Sars-CoV-2 erkrankten, davon elf schwer. Dies entspricht rechnerisch einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent.

Die Vakzine, die den Namen mRNA-1273 trägt, basiert auf einem neuartigen Verfahren für Impfstoffe. Dabei werden keine inaktivierten Viren oder Virenbestandteile in den Körper injiziert, sondern lediglich die genetische Bauanleitung (mRNA) für ein charakteristisches Element der Virushülle, ein so genanntes Spike. Die Zellen der geimpften Person produzieren daraufhin diese Spikes selbst, und ihr Immunsystem lernt, diese bei einer künftigen Infektion mit dem Coronavirus zu identifizieren und Sars-CoV-2 zu bekämpfen.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

mRNA-basierte Impfstoffe sind unter anderem schneller zu entwickeln als ihre konventionellen Pendants. Die Erfolgsnachricht von Moderna nährt nun die Hoffnung, dass sie ein wirkungsvolles Werkzeug zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sein können. Erst vor einer Woche hatten die Pharmaunternehmen BioNTech und Pfizer in einer Erprobung eines vergleichbaren Impfstoffs eine Wirksamkeit von über 90 Prozent festgestellt. Fachleute hatten zuvor mit einem deutlich geringeren Schutz gerechnet.

Allerdings wird Moderna sein Produkt zunächst nur in den USA ausliefern. Die Firma kündigte an, noch vor Ablauf dieses Jahres insgesamt 20 Millionen Dosen für die Vereinigten Staaten zu produzieren. Erst im kommenden Jahr sollen dann 500 Millionen Dosen weltweit zur Verfügung stehen. Zudem wurde bekannt, dass die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA ein so genanntes Rolling-Review-Verfahren zu dem Moderna-Impfstoff beginnt, das eine vergleichsweise rasche Zulassung zum Ziel hat. Die EU-Kommission verhandelt derzeit nach eigenen Angaben mit dem US-Konzern über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen.

Auch wenn sich die Impfstoffe von Moderna und BioNTech/Pfizer in ihrem Grundprinzip stark ähneln, gibt es zumindest soweit bisher bekannt einen wesentlichen Unterschied. Während die Vakzine, die vom Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech entwickelt wurde, auf extrem niedrige Lagertemperaturen unter minus 70 Grad Celsius angewiesen ist, ist der Moderna-Impfstoff anspruchsloser in der Lagerung. Demnach behält er bei normalen Kühlschranktemperaturen seine Wirksamkeit über 30 Tage. Bei minus 20 Grad bleibt er sechs Monate lang einsetzbar.

Modernas mRNA-1273 wird in zwei aufeinander folgenden Injektionen verabreicht. Nebenwirkungen traten in der Studie nur wenige auf, die Versuchsteilnehmer berichteten in einigen Fällen von typischen Impfreaktionen wie Muskel- oder Gliederschmerzen, Hautrötungen an der Einstichstelle oder Kopfschmerzen.

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