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Thymus: Dieses winzige, vergessene Organ könnte uns helfen, länger zu leben

Ein im Thymus produziertes Hormon trägt dazu bei, altersbedingte Entzündungen einzudämmen – und könnte der Schlüssel zur Langlebigkeit sein. 
Eine anatomische Illustration des Thymus. Die Blutgefäße sind in Rot und Blau dargestellt, wobei die Arterien und Venen deutlich sichtbar sind. Die Thymusdrüse ist hervorgehoben und leuchtet in einem hellen Orange.
Der Thymus ist nicht größer als eine getrocknete Aprikose und war lange in Vergessenheit geraten. Doch ausgerechnet dieses kleine Organ könnte eine entscheidende Rolle für gesundes Altern spielen.

Ein winziges Organ in unserer Brusthöhle könnte laut einer in der Fachzeitschrift »Nature Communications« veröffentlichten Studie an Mäusen der Schlüssel zur Regulierung von Entzündungen im Alter sein.

Der Thymus liegt zwischen unseren Lungen und ist etwa so groß wie eine getrocknete Aprikose. Er hilft unserem Körper dabei, Immunzellen gegen Krankheitserreger zu produzieren – sogenannte T-Zellen –, insbesondere in der Kindheit. Nach der Pubertät schrumpft das Organ – und Forschende gingen lange Zeit davon aus, dass auch seine Rolle für das Immunsystem im Lauf des Lebens an Bedeutung verliert.

Doch seine Aufgabe ist damit möglicherweise noch lange nicht beendet: Ein vom Thymus ausgeschüttetes Hormon namens Thymulin dämmt nach neuesten Erkenntnissen von Immunologen um Fumito Ito von der University of Southern California in Los Angeles altersbedingte Entzündungen bei älteren Mäusen.

Sollten sich die Befunde beim Menschen bestätigen, so die Forscher, könnte das helfen, neue Krebstherapien und Behandlungen für andere Krankheiten zu entwickeln, die mit chronischen Entzündungsprozessen im Alter in Verbindung stehen.

Das Hormon Thymulin wurde vor rund 50 Jahren entdeckt, doch seine Rolle beim Altern wurde »irgendwie übersehen«, sagt Studienautor Ito.

Frühere Untersuchungen entdeckten einen Zusammenhang zwischen der Gesundheit des Thymus, der Immunfunktion und der Langlebigkeit. Wie »Scientific American« im März 2026 berichtete, ergab eine Analyse von rund 27 000 Patientenakten, dass die Thymusfunktion mit einer längeren Lebenserwartung sowie einer geringeren Häufigkeit von Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einherging. Die Gesundheit des Thymus stand zudem mit Entzündungen in Verbindung – allerdings war unklar, warum.

Die neuen Erkenntnisse könnten einen »kausalen Zusammenhang« zwischen dem Thymus und der Langlebigkeit aufzeigen, erklärt Ito. Bei Mäusen mit höheren Thymulin-Spiegeln neigte eine Gruppe ihrer Immunzellen, die sogenannten myeloiden Zellen, dazu, geringere Mengen an Zytokinen zu produzieren. Diese Proteine bildet unser Körper zur Abwehr von Infektionen, sie können aber auch zu Entzündungen führen. Noch erstaunlicher war, dass ältere Mäuse mit einer Krebserkrankung, denen die Forscher Thymulin verabreichten, besser auf die Behandlung ansprachen und ein langsameres Tumorwachstum aufwiesen.

Die Ergebnisse könnten Ito zufolge eines Tages die Krebstherapien für Menschen verbessern. »Unsere Studie zeigt, dass dieses Hormon das Tumorwachstum verlangsamen, die Überlebensrate verbessern und die Wirksamkeit der Krebsimmuntherapie steigern kann«, so der Forscher. »Da es sich um ein natürlich vorkommendes Hormon handelt, erwarte ich, dass seine Verwendung nur minimale Nebenwirkungen mit sich bringt, während es gleichzeitig das Potenzial hat, die Wirksamkeit der Immuntherapie zu verbessern.«

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  • Quellen

Kanemaru, H. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–026–75383–0, 2026

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