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Eltern-Kind-Beziehung: Ein Zeichen für mangelnde Sensibilität?

Die Versuchung ist groß, wenn das Kind im Sandkasten sitzt: mal kurz aufs Handy gucken und Nachrichten checken. Aber was sagt das über die Eltern aus?
Eine Frau sitzt auf einer Bank und tippt auf dem HandyLaden...

Diese Frage untersuchten Forscherinnen von den Universitäten Tübingen und Hohenheim in einer kleinen Feldstudie. An 15 Tagen postierten sie sich auf Stuttgarter Spielplätzen und beobachteten Mütter mit Kleinkindern ohne deren Wissen: Wie oft und wie lange schauten sie auf ihr Smartphone? Danach sprachen sie die Frauen an und baten um Teilnahme an der Studie sowie weitere Auskünfte. Einige wurden allerdings nicht weiter befragt, weil sie weder Deutsch noch Englisch sprachen oder weil es sich nicht um die Mutter des Kindes, sondern eine Babysitterin handelte. Männer waren offenbar in zu kleiner Zahl vertreten, so dass sich die Studie auf Frauen beschränkte.

Wie das Team um Medienforscherin Lara Wolfers in »Computers in Human Behavior« berichtet, nutzte fast die Hälfte der verbliebenen 80 Mütter innerhalb eines Beobachtungszeitraums von zehn Minuten ihr Handy mindestens einmal und im Mittel 1,3 Minuten lang. Ob die Mutter aufmerksam und feinfühlig auf ihr Kind reagierte, hing allein mit der Dauer der Handynutzung zusammen, nicht aber mit der Häufigkeit, fassen die Autorinnen zusammen: »Ein kurzer Blick lenkte nicht von der Interaktion ab.«

Der Blick aufs Handy könne in zweierlei Weise stören: indem es die Aufmerksamkeit vom Kind weglenke oder indem es eine Interaktion mit dem Kind unterbreche. Die Eltern-Kind-Bindung hänge entscheidend davon ab, wie feinfühlig die Eltern auf ihr Kind achten und reagieren. Vor allem der Augenkontakt sei bedeutsam.

Die Beobachtungen gelten nur für die Spielplatz-Situation, schränken die Forscherinnen ein. Es sei denkbar, dass die am wenigsten feinfühligen Mütter mit ihren Kindern gar nicht erst auf Spielplätze gehen. Dennoch betrifft das Thema eine große Zahl von Familien: Bei einer Befragung von 1500 Eltern aus Deutschland und der Schweiz hatten über 40 Prozent angegeben, das Handy schon auf dem Spielplatz verwendet zu haben. In einer US-Studie reagierten im Mittel rund 90 Prozent der Eltern sofort, wenn ihr Kind auf dem Spielplatz auf sich aufmerksam machte. Waren sie gerade mit dem Smartphone beschäftigt, reagierte nur knapp die Hälfte.

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