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Plattentektonik: Ein zertrümmerter Kontinent unter Mauritius

Mauritius aus der LuftLaden...

Unter dem Indischen Ozean liegen wahrscheinlich die Überreste mehrerer versunkener Mikrokontinente. Ein internationales Forscherteam um Trond Torsvik von der Universität Oslo schließt das aus Zirkonkristallen von der Insel Mauritius, die zwischen 660 Millionen und fast zwei Milliarden Jahre alt sind. Damit sind die Kristalle weit älter als die Vulkangesteine der Insel und müssen aus versunkener kontinentaler Kruste stammen. Messungen der Krustendicke zeigen eine bogenförmige Struktur möglicher Kontinentreste, die sich von Réunion bis zu den Seychellen erstreckt. Das Forscherteam vermutet, dass sie bei der Trennung von Indien und Madagaskar abbrachen und anschließend durch intensiven Vulkanismus überdeckt wurden.

Zirkon ist ein extrem widerstandsfähiges Material, das beim Abkühlen von Magma entsteht und anschließend der Erosion trotzt und sogar die Bedingungen im Erdmantel übersteht. Deswegen befördern Vulkane gelegentlich Zirkone an die Oberfläche, die einst in längst vergangenen Gesteinen entstanden. Mauritius ist zu weit weg von den umliegenden Kontinenten, als dass Zirkone von dort in die Magmakammern seiner Vulkane gelangt sein könnten, so dass als Quelle nur kontinentales Gestein unter der Insel selbst in Betracht kommt.

Bei der Trennung Indiens von Madagaskar, die vor etwa 80 Millionen Jahren einsetzte, brachen die nun unter dem Meeresboden verborgenen Mikrokontinente von Indien ab. Das Forscherteam vermutet, dass daran zwei vulkanische Hotspots beteiligt waren, die heute unter den Inseln Mauritius und Réunion liegen. Die Kontinentfragmente wurden anschließend auseinandergerissen und unter Basaltgestein aus den Hotspots begraben, so dass sie heute nur noch schwer zu finden sind. Experten vermuten nun, dass derartige Vorgänge häufig vorkommen und noch viele bisher unbekannte Kontinenttrümmer in den Weltmeeren verstreut sind.

9. KW 2013

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 9. KW 2013

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  • Quellen
Nature Geoscience 10.1038/NGEO1736, 2013

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