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News: Einäugig besser lesen lernen

Viele Kinder von normaler Intelligenz haben Schwierigkeiten beim Lesen. Durch eingeschränkte Kontrolle über ihre Augen sind die Kinder nicht in der Lage, konsequent dem Text zu folgen. Bisher wurde versucht, diese Dyslexie genannte Lesestörung mit gezieltem Förderunterricht zu beheben. Eine neue Methode verspricht nun schnellere und effektivere Hilfe: Ein Auge wird abgedeckt, was verhindert, daß die Kinder mit beiden Augen über Kreuz lesen.
Bis zu zwanzig Prozent der Jungen und fünf Prozent der Mädchen haben gravierende Schwierigkeiten, lesen zu lernen, während sie auf anderen Gebieten völlig "normal" intelligent sind. Dieses Dyslexie genannte Phänomen ist vererbbar und tritt deshalb in Familien gehäuft auf. Oft ist Dyslexie mit einer leichten Sehschwäche und eingeschränkter Kontrolle über die Bewegung der Augen verbunden: Versuchen die Kinder zu lesen, springt ihr Blick hin und her.

John Stein vom Department of Physiology der University of Oxford und seine Kollegen glauben, daß die betroffenen Kinder dadurch völlig verwirrt werden. "Wenn nicht beide Augen konsequent dem Text folgen, scheinen die Buchstaben herumzutanzen und sogar ihre Reihenfolge umzudrehen", sagt Stein. Einen Ausweg sieht er darin, beim Lesen nur ein Auge zu benutzen und so zu verhindern, daß die Augen die Buchstaben über Kreuz sehen.

Die Forscher haben an 144 stark dyslektischen Kindern untersucht, ob der Gebrauch nur eines Auges die Lesefähigkeiten steigert. Die etwa neun Jahre alten Kinder, die alle an eingeschränkter Kontrolle über ihre Augenbewegung litten, bekamen gelbgetönte Brillen, die sie beim Lesen und anderen Tätigkeiten in Augennähe benutzen sollten. Bei der einen Hälfte der Kinder deckten die Wissenschaftler das linke Auge mit einem undurchsichtigen Pflaster ab. Drei Monate später hatte diese Gruppe weitaus größere Fortschritte gemacht, als jene Kinder, die weiter versucht hatten, mit zwei Augen zu lesen. Die Kinder hatten größere Kontrolle über ihre Augenbewegungen und konnten besser lesen. Diesen Vorsprung behielten sie auch im folgenden halben Jahr des Versuchs, so daß am Ende die Lesefähigkeiten der Kinder mit Augabdeckung den anderen um acht Monate voraus waren.

John Stein meint dazu: "Die Fortschritte mit der Abdeckmethode sind viel größer als die, welche wir gewöhnlich mit einem herkömmlichen Förderunterricht erzielen." Seiner Ansicht nach sollte diese Methode bei allen dyslektischen Kindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren berücksichtigt werden, die über Lesestörungen beim Lesen klagen. "Das bedeutet viel Hoffnung für dyslektische Kinder und ihre Familien."

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