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Fremde Zivilisationen: Eine Flaschenpost für die da draußen

Das Wort "außerirdisch" hat einen faden Beigeschmack nach Ufo und Medienspektakel. Doch es wäre die größte Sensation in der Menschheitsgeschichte, wenn wir tatsächlich einen Beweis für die Existenz ferner intelligenter Lebensformen finden könnten. Darum sucht eine Reihe ernsthafter Wissenschaftler nach Signalen aus dem All - wahrscheinlich umsonst. Denn die Nachrichten könnten längst angekommen sein und zu unseren Füßen liegen.
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Erinnern Sie sich an den Sciencefiction-Klassiker "2001 – Odyssee im Weltraum" von Arthur Clarke? Darin versetzt ein Monolith auf dem Mond die Menschheit der Zukunft, die für uns mittlerweile in der Vergangenheit liegt, in Staunen und hektische Aktivitäten. Der riesige Stein kann nicht natürlichen Ursprungs sein, und er ist nicht von Menschen gemacht. Darum muss es sich logischerweise um die Nachricht einer extraterrestrischen Intelligenz handeln. Eine Art Flaschenpost, die der Absender erst dann entdecken und entziffern kann, wenn er entsprechend hoch geklettert ist auf der Leiter der technischen Fähigkeiten.

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Grußbotschaft | Unsere Botschaft an eine fremde Zivilisation: Bereits an Pioneer 10 und 11 befanden sich kleine Metall-Plaketten, welche die Herkunft der Sonden bezeugen sollten. An Bord der Voyager-Sonden flog eine etwas aufwändigere Botschaft mit. 12 Zoll große vergoldete Kupferscheiben mit Bildern und Tondokumenten gab die Nasa den Raumfahrtzeugen mit auf den Weg, jede eingepackt in eine schützende Aluminiumkiste. Darin enthalten ist auch eine Art Tonabnehmer, ähnlich einem Schallplattenspieler, und eine symbolische Anleitung wie der Inhalt der Platte wiederzugeben ist. Auf den Schallplatten befinden sich unter anderem für die Erde typische Naturgeräusche von Wind, Wellen, Donner und Tieren aber auch gesprochene Grüße in 55 Sprachen der Erde – angefangen mit Akkadisch, das vor 6000 Jahren in Mesopotamien gesprochen wurde, bis hin zu Wu, einem modernen chinesischen Dialekt.
Springen wir in die Wirklichkeit und das Jetzt. Technisch hängen wir weit hinter der Fiktion zurück, aber die Suche nach Anzeichen für außerirdisches Leben ist dennoch in vollem Gange. Allerdings konzentrieren sich die Bemühungen darauf, elektromagnetische Signale aus dem Weltall aufzufangen. Im Rahmen des Seti-Projekts (Search for Extraterrestrial Intelligence) mustern Astronomen in verschiedenen Bandbereichen von Radiowellen und sichtbarem Licht den Himmel. Weil die dabei anfallende Datenmenge die Kapazitäten ihrer Computer sprengt, lassen sie die Zahlenkolonnen im Rahmen der Aktion "Seti@home" auf den Rechnern von freiwilligen Nicht-Wissenschaftlern analysieren – wodurch die Suche zu einer Art globalem Volkssport geworden ist.

Seti hat bislang noch keinen Treffer zu vermelden. Und vielleicht verspräche es mehr Erfolg, sich an Clarks Idee zu halten und die Erde nach Artefakten abzusuchen. Diese Ansicht vertreten zumindest Christopher Rose von der Rutgers University und Gregory Wright. Sie haben errechnet, dass die Kommunikation über elektromagnetische Strahlung dermaßen viel Energie verbraucht, dass es sinnvoller wäre, eine Nachricht in fester Form zu verschicken – sei es nun ein Monolith oder eine gravierte Platte, wie die irdischen Raumsonden sie an Bord haben. Solange man nicht unbedingt Wert auf eine Antwort zu eigenen Lebzeiten legt, passt in eine interstellare "Flaschenpost" weit mehr Information als in noch so lange Funksignale.

Das bekannte Problem mit der elektromagnetischen Strahlung liegt vor allem darin, dass sie sich mit zunehmender Distanz über einen immer größeren Querschnitt verteilt. Was einen sendenden Planeten als gebündelter, intensiver Strahl verlässt, kommt beim Empfänger als schwaches Signal an, das über einen weiten Raum verteilt ist. Vorausgesetzt, der Empfänger hört genau in dem Moment gerade zu. Und vorausgesetzt, er weiß, wann auf welcher Frequenz gesendet wird. Und vorausgesetzt, er erkennt das Signal als solches und kann damit etwas anfangen. Ziemlich schlechte Chancen also, mehr als ein kurzes "Hallo! Es gibt uns!" zu übermitteln, das obendrein zur Sicherheit wieder und wieder gesendet werden müsste.
Rose und Wright stellen dem eine Raumsonde gegenüber, die einzig dazu gedacht ist, eine große Menge Informationen gezielt an einen Ort zu bringen, wo sie darauf wartet, entdeckt, erkannt, entschlüsselt und gelesen zu werden. Das kann tausende oder Millionen Jahre dauern, aber auf eine Antwort darf es dem Sender dieser Nachricht eben nicht ankommen. Dafür könnte er beispielsweise das gesamte Wissen der Menschheit auf einen Schlag übermitteln – geschätzte 1019 Bit. Mit einem Rastertunnelmikroskop in Zeichen von einem Nanometer im Quadrat geschrieben, würde alles auf einen Würfel von einem Gramm Gewicht passen. Es darf jedoch auch ein wenig mehr sein, denn zum Schutz vor schädlicher Strahlung, zum Antrieb und als Bremse in einer eventuellen Atmosphäre auf dem Zielplaneten wäre eine Ausstattung von gut 10 Tonnen nötig. Das Ganze geht dann mit 0,1 Prozent der Lichtgeschwindigkeit auf Reisen und entlockt mit viel Glück einer fernen Zivilisation in der Zukunft ein "Nanu", bevor sie sich daran macht, den Quellcode von Microsofts heimlichsten Innovationen zu decodieren. Aus Sicht des Energieverbrauchs wäre diese Methode deutlich günstiger als der Versuch, die Informationen per Funk zu übertragen.

Sollten wir Seti nun also zu den Akten legen und stattdessen die Kontinente nach Würfeln mit seltsamen Zeichen durchsieben? Nicht ganz. Denn einerseits könnte eine außerirdische Zivilisation zufällig in astronomischer "Nähe" liegen und sich sehr wohl ein Funkverkehr in zwei Richtungen entwickeln. Andrerseits ist nicht gesagt, dass eine potenzielle "Flaschenpost" überhaupt auf der Erde gelandet ist. Vielleicht wartet sie auf dem Mars oder wurde vom Jupiter eingefangen. Und womöglich nutzt man für interstellare Post ein ganz anderes, drittes Verfahren, das wir nur noch nicht kennen oder überhaupt nicht wahrnehmen können. Darum wäre es sinnvoller, die Suche zu erweitern, schlagen Rose und Wright vor. Damit wir nicht mit den Füßen auf unseren Briefen herumtrampeln, während wir verzweifelt in den Himmel sehen.
02.09.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02.09.2004

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