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Kosmologie: Eine Galaxie aus Dunkler Materie

Die Galaxie Dragonfly 44 besitzt fast keine Sterne, weist aber fast die gleiche Masse auf wie die Milchstraße. Offensichtlich hält Dunkle Materie sie zusammen.
Blick auf die Milchstraße über den AlpenLaden...

Über Jahrzehnte entging die Galaxie Dragonfly 44 den Nachforschungen der Astronomen – Pieter van Dokkum von der Yale University und sein Team legen dafür in den "Astrophysical Journal Letters" die Erklärung vor: Das rund 300 Millionen Lichtjahre entfernte Objekt gehört zu den so genannten dunklen Galaxien und besteht zu 99,99 Prozent aus Dunkler Materie, jenem geheimnisvollen Stoff, dessen direkter Nachweis bislang noch nicht geglückt ist. Sie macht sich nur indirekt über ihre gravitative Wirkung bemerkbar, obwohl laut dem Standardmodell der Kosmologie normalerweise fünfmal mehr Dunkle als normale Materie im All vorhanden ist. Dragonfly 44 weist ungefähr die Masse und Größe unserer Milchstraße auf, doch liefern Sterne nur 0,01 Prozent dieser Masse. Ihren Zusammenhalt müsse die Galaxie daher der Dunklen Materie verdanken, so die Astronomen, andernfalls würde die hohe Rotationsgeschwindigkeit sie zerreißen.

Blick in Richtung der Galaxie Dragonfly 44 Laden...
Blick in Richtung Dragonfly 44 | Dragonfly 44 besteht wohl fast völlig aus Dunkler Materie; nur 0,01 Prozent seiner Masse stammt von Sternen.

Entdeckt wurde Dragonfly 44 im Jahr 2014 mit Hilfe des Keck-Observatoriums und das Gemini-North-Teleskops auf Hawaii im Coma-Galaxienhaufen. Über die gemessenen Geschwindigkeiten der wenigen Sterne des Objekts konnten die Forscher dann berechnen, welche Masse die Galaxie ungefähr hat. Sie kamen dabei auf einen Gesamtwert von etwa einer Billion Sonnenmassen. Diese Masse kann nicht von den vorhandenen Sternen allein über ihre Gravitation zusammengehalten werden. Daraus kalkulierten sie letztlich die potenziell vorhandene Dunkle Materie. Unklar ist allerdings, wie sich Dragonfly 44 überhaupt entwickeln konnte. Bisherige dunkle Galaxien waren deutlich kleiner; Dragonfly 44 stellt das bislang mit Abstand größte und massereichste derartige Objekt dar.

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