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Mond streift Sonne: Eine partielle Sonnenfinsternis in der Mittagspause

Für rund zwei Stunden verdunkelt sich am 25. Oktober die Sonne mitten am Tag – zumindest teilweise. Können auch Forscher dabei noch etwas über unseren Stern lernen?
Eine partielle Sonnenfinsternis zeichnet such ab hinter einem Baum in Berlin
Bei gutem Wetter lässt sich während der Mittagszeit des 25. Oktober eine partielle Sonnenfinsternis in Mitteleuropa beobachten. Dieses Bild zeigt ein ähnliches Ereignis vor einem Jahr in Berlin.

Astronomiebegeisterte und Schaulustige können am kommenden Dienstag (25. Oktober) eine partielle Sonnenfinsternis in Deutschland beobachten. Sie dauert insgesamt etwa zwei Stunden und ist in ganz Mitteleuropa zu sehen – so das Wetter mitspielt und keine Wolken die Sicht versperren. Laut Wetterbericht sind die Chancen auf größere Wolkenlücken im Nordwesten sowie im Süden am größten. In der Landesmitte sieht es leider eher trüb und grau aus.

In Kiel beginnt der Mond sich um 11:07 Uhr vor die Sonne zu schieben, in Berlin ebenso wie in Köln um etwa 11:10 Uhr, in München startet das Spektakel kurz nach 11:14 Uhr. Zwischen 12:05 und 12:20 Uhr wird dann ein maximaler Bedeckungsgrad von 30 bis 42 Prozent erreicht. Dabei sind Beobachter mit Standorten im Nordosten des Landes im Vorteil. Dort bedeckt der Mond einen größeren Teil der Sonne als im Alpenraum.

Zu einer Sonnenfinsternis kommt es, wenn Sonne, Mond und Erde exakt in einer Reihe stehen. Denn dann schiebt sich der Mond vor die Sonne, sein Schatten fällt auf die Erdoberfläche und sorgt für eines der faszinierendsten Naturschauspiele. Bei einer totalen Sonnenfinsternis ist die gesamte Sonne vom Mond verdeckt, Beobachter auf der Erde befinden sich also im Bereich des Kernschattens. Eine partielle Sonnenfinsternis entsteht, wenn nur ein Teil vom Mond verdeckt ist, man also im Bereich des Halbschattens ist.

Die einfachste und sicherste Beobachtungsmethode besteht darin, das von einem kleinen Fernrohr und einem Okular mit langer Brennweite erzeugte Bild der Sonne auf einen weißen, glatten Karton zu projizieren. Wer kein Fernrohr zur Hand hat, kann sich sogar mit den Löchern im Band einer Armbanduhr behelfen. »Das ist vergleichbar mit einer kleinen Lochkamera«, erklärt Hardi Peter vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen.

Mond streift Sonne | Am 25. Oktober 2022 bedeckt der Mond in Mitteleuropa kurz nach 12:00 Uhr MESZ zwischen 30 und 42 Prozent der Sonnenscheibe. Beobachter im geografischen Nordosten sind hierbei im Vorteil.

Der Wissenschaftler aus der Forschungsabteilung »Sonne und Heliosphäre« erforscht unter anderem die äußere Atmosphäre der Sonne, die Corona. Sie ist mit bloßem Auge besonders gut während einer totalen Sonnenfinsternis zu sehen. Dass sie mit etwa einer Million Grad um ein Vielfaches heißer ist als die Sonnenoberfläche, die gerade einmal auf etwas um die 6000 Grad kommt, scheint auf den ersten Blick dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu widersprechen. Dieser besagt, dass Wärme immer in Richtung eines kälteren Systems fließt. »Man kennt solche physikalischen Tricks, den Hauptsatz zu umgehen, von der Mikrowelle. Dort bleiben auch die Wände des Geräts kalt, während sich das Essen erwärmt«, sagt Hardi Peter. Während in der Mikrowelle die Frequenz der ausgesendeten Strahlung die Wassermoleküle zum Schwingen anregt, ist der Prozess in der Sonne allerdings etwas anders gelagert. »Vermutlich findet der Energietransport in der Sonne entlang der Magnetfeldlinien statt.« Doch was genau dahintersteckt, ist bislang lediglich theoretisch formuliert. Ein echter Beweis konnte noch nicht erbracht werden.

Zwar greift die Arbeitsgruppe um Hardi Peter für ihre Forschung hauptsächlich auf Daten von erdgebundenen Observatorien und der Weltraumsonde Solar Orbiter der Europäischen Weltraumorganisation ESA zurück. Doch es gibt auch Sonnenforscher, die von Sonnenfinsternis zu Sonnenfinsternis reisen, erzählt Peter. »Auf diese Weise lassen sich von der Erde aus sehr gut Magnetfeldstörungen in der Corona beobachten. Es ist allerdings recht mühsam, weil immer nur wenige Minuten Zeit bleiben, innerhalb derer der Mond die Sonne verdeckt.«

Auf keinen Fall sollte man während des Naturspektakels am Dienstag direkt in die Sonne gucken. Für ein Beobachten mit bloßem Auge gibt es Sonnenfinsternisbrillen. Diese sollten nach EU-Normen als sicher gelten, dürfen keine Kratzer oder Löcher haben und sollten möglichst nah am Gesicht anliegen. Wer das Ereignis mit dem Auge am Teleskop beobachten möchte, benötigt hierfür einen dämpfenden Filter, der vor dem Objektiv befestigt wird, so dass nur ein sehr geringer Bruchteil des Sonnenlichts in das Teleskop gelangen kann: Der Filter sollte das Licht um den Faktor 100 000 reduzieren, was einer logarithmischen Stärke von D = 5 entspricht. Objektivsonnenfilter und Finsternisbrillen sind im Astrofachhandel erhältlich. Von unzureichenden Behelfslösungen wie rußgeschwärzten Gläsern oder übereinandergelegten Diafilmen ist gänzlich abzuraten.

© typeshift.io / Spektrum der Wissenschaft
Mond knabbert Sonne an
Acht Planeten und der Zwergplanet Pluto kreisen um die Sonne. An manchen Tagen stehen sie in besonderer Position zueinander. Die Folge: Verfinsterungen, Konjunktionen, Oppositionen. Wann was geschah und wann das nächste besondere Ereignis bevorsteht, zeigt die Grafik.

Weitere Informationen zur gefahrlosen Sonnenbeobachtung gibt es auf der Webseite der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. unter www.vds-sonne.de/de/Warnhinweis. Wir wünschen Ihnen nun ein schönes Finsterniserlebnis mit der richtigen Ausrüstung – und natürlich gutes Wetter.

Entwickelt wurde die Grafik in Zusammenarbeit mit Typeshift, der Digitalagentur für interaktive Visualisierungen

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