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News: Einfach dufte

Bereits den alten Ägyptern waren wohlriechende Essenzen und rituelle Salböle bekannt. Sie nutzten viele traditionelle Düfte, die heutzutage als wesentliche Inhaltsstoffe in Deodorants, Aftershaves und anderen Kosmetikartikeln eingesetzt werden. Der Wunschtraum der Parfümindustrie, einen Universal-Duftcocktail zu kreieren, wird jedoch vermutlich nie in Erfüllung gehen: Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass die Vorlieben der Menschen für bestimmte Parfüms auf bestimmte MHC-Gene ihres Immunsystems zurückzuführen sind.
Seit mindestens 5000 Jahren benutzen die Menschen Wohlgerüche. Raffinierte Vermarktungsstrategien und ausgefallene Verpackungen moderner Parfüms täuschen jedoch geschickt darüber hinweg, dass die Entwicklung in der Parfümindustrie eher stagniert. Kölnischwasser wurde bereits im 18. Jahrhundert erfunden, Chanel No. 5 ist seit 1921 erhältlich, und alle traditionellen Duftstoffe sind den heutigen Parfüms beigemischt.

Obwohl Düfte offensichtlich in die Kommunikation zwischen den Geschlechtern verwickelt sind, bleiben die individuellen Vorlieben für Gerüche ein noch weitgehend unerforschtes Gebiet der Evolution. Frühere Studien, in denen verschwitzte T-Shirts zur Untersuchung der Duftwahrnehmung verwendet wurden, deuteten bereits auf einen Zusammenhang mit Immun-Genen hin. Wissenschaftler konnten mithilfe dieses Experimentes nachweisen, dass sich Personen von dem Körpergeruch eines möglichen Partners angezogen fühlten, dessen Gene für den Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC) sich von den eigenen unterschieden. Als MHC (major histocompatibility complex) oder HLA (human leukocyte antigen) wird eine höchst vielgestaltige und konservierte Gruppe von Genen bezeichnet, die Informationen von Proteinen für die Immunerkennung und die immunologische Individualität eines Menschen enthält.

Um weiteres Licht in die rätselhafte Welt der Düfte zu bringen, untersuchten nun Manfred Milinski und Claus Wedekind von der Universität Bern, wie die individuellen Vorzüge für Parfüminhaltsstoffe mit dem MHC-Genotyp der Person in Beziehung stehen. Zunächst teilten sie 137 männliche und weibliche Studenten aufgrund ihrer MHC-Gene in verschiedene Gruppen ein. Anschließend maßen die Wissenschaftler die Reaktionen der Versuchspersonen auf unterschiedliche Düfte – einschließlich der Favoriten Myrrhe, Jasmin und Vanille. In einem ersten Test, in dem die Männer und Frauen befragt wurden, wie gern sie selbst ein Aftershave oder Parfüm mit jenem Inhaltsstoff benutzen würden, kristallisierten sich 36 Wohlgerüche heraus. Ein weiterer Test galt der Fragestellung, welchen Duftstoff die Versuchspersonen gerne an einem Angehörigen des anderen Geschlechtes riechen würden.

Milinski und Wedekind fanden heraus, dass sich in dem Duft, den eine Person bevorzugt, die Zusammenstellung ihrer MHC-Gene widerspiegelt. Personen mit ähnlichen MHC-Genen wählten für sich auch ähnliche Gerüche. Andererseits gab es keine Präferenzen für den Geruch des potentiellen Partners. Wichtig war nur: Er oder sie riecht anders.

Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass Parfüms für sich selbst unbewusst unter dem Aspekt ausgewählt werden, um in irgendeiner Weise den eigenen Körpergeruch zu verstärken. Damit signalisiert der Partner, welche Immungene bei ihm vorliegen. Wählt er jemanden mit einem anderen Körpergeruch und damit anderen MHC-Genen, dann können hieraus Nachkommen mit einer breit gestreuten Immunantwort entstehen.

Erstaunlicherweise bevorzugten Männer und Frauen verschiedene Duftstoffe. Dieses Ergebnis verblüffte die Forscher, da es keine geschlechtsspezifischen Varianten in den MHC-Genen gibt. Doch wahrscheinlich liegt das nur an einer unterschiedlichen Tradition für "männliche" und "weibliche" Duftwässerchen. George Dodd von der Biotechnikfirma Kiotech hebt hervor, dass wir uns gerade erst am Anfang des Parfümzeitalters befinden: "Aber die Komplexität ist sehr romantisch – wenn die Menschen ein Parfüm auswählen, drücken sie ihre Individualität aus."

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