Direkt zum Inhalt

News: Einfühlsamer Macho

Wer bei Frauen erfolgreich sein will, muss dick auftragen. Denn die Damenwelt schätzt ein gesundes Erbgut, das vermutlich bei besonders starken oder besonders schönen Männern zu finden ist. Entsprechend aufwändig betreiben die Herren der Schöpfung ihr Werbegeschäft - so auch der australische Seidenlaubenvogel. Doch wer übers Ziel hinausschießt, kann sein Ziel verfehlen, denn ein zu machohaftes Auftreten verschreckt die Weibchen eher. Erfolgreicher sind vielmehr die Männchen, die ihr Balzverhalten den Launen der Weibchen anpassen.
Roboterweibchen
Fertig. Die Laube steht. Auch die Tanzarena ist gelungen. Vielleicht hier noch eine kleine Blume, dort eine Frucht, und ein paar bunte Käfer – nett drapiert – wären auch nicht schlecht. Zufrieden blickt der Baumeister auf sein Werk. Jetzt heißt es nur noch warten, bis sich die Damenwelt für das neue Liebesnest interessiert.

Die Männchen der australischen Seidenlaubenvögel (Ptilonorhynchus violaceus) betreiben einen hohen Aufwand, um ihre Weibchen zu beeindrucken: Sobald sich eines ihrer aus Gras gebauten Laube nähert, plustern sie ihr Gefieder auf, schlagen wild mit den Flügeln und rennen laut schreiend aufgeregt hin und her. In ihrem exzentrischen Tanz verbirgt sich die Botschaft: Schaut her, ich bin kräftig und gesund – und meine Nachfahren werden es ebenso sein.

Die Weibchen wiederum ziehen von Laube zu Laube, hocken sich ins Gras und schauen sich das beeindruckende Tanzritual der Männchen an. Doch nur ein einziges Männchen wird schließlich erhört, und die Damen lassen sich mit ihrer Wahl durchaus Zeit.

Kein Wunder, dass die Männchen versuchen, mit einer möglichst auffälligen Show die Gunst der Angebeteten zu erlangen. Doch mitunter gehen einige dabei zu weit. Denn der aufgeregte Tanz während der Balz unterscheidet sich nur wenig vom Aggressionsverhalten der Vögel, sodass manche Weibchen sich nicht angelockt fühlen, sondern im Gegenteil panisch das Weite suchen. Hier liegt offensichtlich ein Verständigungsproblem zwischen den Geschlechtern vor.

Wie lösen die Vögel dieses Verständigungsproblem? Irgendwie müssen die Weibchen den Männchen ihre Paarungsbereitschaft signalisieren. Die Schlüssel hierfür liegt in der Art und Weise, wie sie sich vor der Laube der Männchen hinhocken, so vermutet Gail Patricelli von der University of Maryland. Um diese Vermutung zu überprüfen, baute die Wissenschaftlerin zusammen mit Albert Uy, Gregory Walsh und Gerald Borgia einen kleinen Roboter. Diese Maschine sah aus wie ein Seidenlaubenvogelweibchen und verhielt sich – im eingeschränkten Maße – auch so: Sie konnte sich hinhocken, neugierig den Kopf drehen und das Gefieder aufplustern.

Und dieser Roboter bewährte sich bei seinem Einsatz im australischen Busch. Die Seidenlaubenvogelmännchen passten tatsächlich ihren Balztanz an das Verhalten der Kunstfrau an: Je öfter diese sich hinhockte, desto intensiver tanzten die Männchen – blieb sie dagegen stehen, dann hielten sich die Männchen eher zurück. Diejenigen, die am einfühlsamsten auf das Verhalten des Roboters reagierten, hatten auch im echten Leben mehr Glück. Sie verängstigten weniger Weibchen, und ihr Balzerfolg war insgesamt größer.

Die Männchen der Seidenlaubenvögel zeigen sich damit äußerst sensibel für die Signale eines Weibchen: Ist es noch unentschlossen, dann treten die Kavaliere eher bescheiden und schüchtern auf. Demonstriert es dagegen bereits ein erstes, vorsichtiges Interesse, dann sind die Herrschaften in ihrem Gehabe nicht mehr zu bremsen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte