Direkt zum Inhalt

News: Eins, zwei, drei Bananen

Affen wissen, dass zwei Bananen weniger sind als vier, selbst bevor sie die Früchte verspeist haben. Und ihre Fähigkeit des Zählens wenden sie auch bei der Lösung neuer Aufgaben an.
Ist der Mensch eine besondere Spezies der Natur, weil er gekonnt mit Zahlen jonglieren kann? Weil er weiß, dass vier Äpfel mehr sind als drei und neun noch viel mehr? Nein, mit seiner grundlegenden Rechenleistung ist er nicht allein: Auch Rhesusaffen können die Anzahl von Objekten sehr wohl unterscheiden.

Eine regelrechte rechnerische Glanzleistung erbrachten die Affen im Labor von Herbert Terrace und seinen Mitarbeitern von der Columbia University. Vier auserwählte Schüler – Benedict, Macduff, Oberon und Rosencrantz – lernten hier zählen und überraschten selbst die Forscher mit ihrer Auffassungsgabe.

Der Arbeitsplatz der Affen ähnelte dem vieler Menschen heutzutage: Sie saßen vor einem Computer. Viele Stunden verbrachten sie vor dem Monitor und betrachteten aufeinanderfolgende Bilder, die in einer zufälligen Reihenfolge erschienen. Die Aufnahmen zeigten so unterschiedliche Objekte wie Tiere, Menschen, Autos oder Brücken. Aufgabe der Affen war es nun, in dieses Durcheinander eine Reihenfolge in bringen. Wie sie dabei vorgingen – ob sie Autos lieber vor den Menschen oder umgekehrt haben wollten –, war ihnen überlassen. Nur konsequent mussten sie sein. Die einmal ausgewählte Reihenfolge mussten sie in allen anschließenden Versuchsreihen unbedingt einhalten, wenn sie eine Belohnung kassieren wollten.

Und dies gelang ihnen hervorragend. In 94 Prozent der Fälle sortierten sie die Bilder richtig. Wo die Grenzen des Lernvermögens ihrer Schüler liegen, haben die Forscher bislang nicht ausloten können. Nachdem die Affen den anfänglich vier Objekten einer Serie so bravourös eine Rangfolge verpasst hatten, steigerten die Wissenschaftler die Bilderzahl auf sieben. Auch dies bereitete den vier Rechenschülern keinerlei Probleme.

Nachdem die Äffchen in diesem Teil der Aufgabe ihre deklarativen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatten, sollten sie ihr einmal erlerntes Wissen zur Lösung neuer Aufgaben einsetzen. Nun sollten sie aus zwei Bildern ein Paar bilden, und dies zum einen mit Objekten, die sie in ein und derselben Liste gesehen hatten, zum anderen aber ebenso mit Bildern, die aus zwei unterschiedlichen Bilderserien stammten. Zum Erstaunen der Wissenschaftler brachte auch die neue Aufgabe die Affen nicht aus der Ruhe. Mit einer unglaublich hohen Genauigkeit von jeweils über 90 Prozent ordneten die Tiere ihre Paare, egal ob sie aus der gleichen oder einer unterschiedlichen Bilderfolge stammten.

Dabei zeigten sie sich ähnlich geschickt wie Menschen beim Lernen: Sie merkten sich neue Listen schneller als die allererste, die sie sich einprägen sollten. "Sie lernten nicht einfach nur die Bilderabfolge einer Liste, sie lernten, eine Strategie zu entwickeln, wie sie sich die Bilder merken sollten. Und das ist es, was gute Fachkenntnis ausmacht", erklärt Elizabeth Brannon, die jetzt an der Duke University tätig ist.

Da die Präzision kaum nachließ, halten die Forscher die Grenzen der Lernkapazität ihrer Schützlinge noch lange nicht für erreicht. "Es war nur ein anfänglicher Gedanke von uns, dass siebenteilige Listen besonders herausfordernd sein könnten", sagt Brannon. "Aber es stellte sich heraus, dass es die Tiere nicht im mindesten anstrengte, und es scheint, als ob wir noch längere Listen testen könnten."

Letztendlich beobachteten die Forscher bei den Affen eine weitere "menschliche" Gehirnleistung. Dinge, die sehr nahe beieinander liegen – etwa die Zahlen zwei und drei –, konnten sich die Tiere schlechter merken als Dinge mit einer großen Distanz zwischen sich. Für die Lösung der schwierigen Aufgaben brauchten sie länger, genau wie wir Menschen auch: Den Unterschied zwischen einer langen und einer kurzen Linie auszumachen, geht meist schnell. Der Vergleich zwischen zwei kurzen – oder zwei langen Strichen – fällt hingegen viel schwerer.

Ob und wenn ja, inwiefern die Rhesusaffen von ihren Rechenkünsten in der freien Natur profitieren, weiß man hingegen noch nicht. Es könnte ihnen auf jeden Fall erleichtern, gegebenfalls die Zahl einer Gruppe von Feinden im Vergleich zur eigenen Truppe einzuschätzen – vielleicht zählen sie auch im Zoo die Menge derer, die sich die Nase vor ihrem Gehege plattdrücken.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte