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Astrophysik: Einsamer Quasar doch nicht einsam?

Der ungewöhnliche, als überraschend wirtsgalaxienlos eingestufte Quasar HE0450-2958 könnte doch von einer Galaxie umgeben sein, berichtet ein Astronomenteam um David Merrit vom Rochester Institute of Technology.

Erst vor wenigen Wochen hatten europäische Forscher verblüfft keine Anzeichen nennenswerter sichtbarer Materie in der Umgebung des Objektes gefunden. HE0450-2958 wäre damit der erste Quasar gewesen, der Energie vielleicht aus dunkle Materie, statt aus sichtbaren Sternen einer Galaxie bezieht. Gewöhnlich handelt es sich bei quasi-stellaren Objekte um extrem massereiche Schwarze Löcher, die umgebende Materie aufsaugen, welche bei ihrem Sturz viel heller als das restliche Sternensystem aufleuchtet.

Die Quasare HE0450-2958 und HE1239-2426Laden...
Die Quasare HE0450-2958 und HE1239-2426 | Dem Quasar HE0450-2958 (linkes Bild, heller Punkt in der Bildmitte) scheint die übliche Wirtsgalaxie zu fehlen, aus der er seinen Hunger nach Materie stillt – vielleicht aber handelt es sich bei ihm auch um einen so genannten narrow-band-Seyfert-1-Typ, dessen Wirtsgalaxie schlicht zu lichtschwach sein könnte, um gesehen zu werden. Jedenfalls befindet sich in seiner Nähe eine verzerrt wirkende Galaxie (links oberhalb des Quasars), die womöglich vor 100 Millionen Jahren mit ihm kollidiert ist. Der helle Punkt rechts unten im Bild ist ein Vordergrundstern.
Im rechten Bild ist der Quasar HE1239-2426 inmitten seiner Wirtsgalaxie zu sehen – die übliche Umgebung für ein quasistellares Objekt.
Merrit und Co beschreiben das mysteriösen Objekt nun aber als Quasar einer Sonderform des so genannten Seyfert-1-Typs. Das Schwarze Loch und die Wirtsgalaxie solcher Objekte könnten etwa zehnfach kleiner als bei einem Standartquasar sein und damit möglicherweise so lichtschwach, dass sie kaum gesehen werden können. Bei weiter gehenden Untersuchungen mit Hilfe des Hubble-Teleskopes erkannten die Wissenschaftler zudem einen kleinen Gasfleck in der Nähe von HE0450-2958, bei dem es sich ihrer Ansicht nach um einen Teil einen Seitenarms der Wirtsgalaxie handeln könnte.

Die Erklärung von Merrit und seinen Kollegen ließe sich mit den derzeit gängigen Modellen zur Physik Schwarzer Löcher und der Entwicklung des Universums besser in Übereinstimmung bringen als ein Quasar, der von dunkler Materie gespeist wird, bemerken Experten.
19.11.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.11.2005

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