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Antarktis: Eis lässt Atmosphäre erzittern

Seit Jahren rätseln Polarforscher über ein merkwürdiges Signal in ihren Wetterdaten aus der Antarktis. Nun könnte die Ursache gefunden worden sein.
Pinguine stehen an der Eiskante des Schelfeises in der AntarktisLaden...

Seit 2011 registrieren Polarforscher auf der US-amerikanischen McMurdo-Station in der Antarktis merkwürdige Wellen in der Atmosphäre. Die Schwingungen halten stundenlang an und treten in höheren Bereichen der Atmosphäre auf. Dieses Verhalten fasziniert die Wissenschaftler, denn atmosphärische Wellen können zwar überall auf der Erde entstehen, doch treten sie sonst nicht derart regelmäßig und ausdauernd auf. Oleg Godin und Nikolay Zabotin von der Naval Postgraduate School in Monterey präsentieren im "Journal of Geophysical Research: Space Physics" eine mögliche Ursache dieser Erscheinung: Das riesige Ross-Schelfeis – doppelt so groß wie Spanien – scheint die Wellen auszulösen. Die riesige Eisfläche auf dem Meer zwischen dem Mary Byrd und dem Victoria Land bewegt sich permanent, weil Wind und Wellen daran arbeiten. Dadurch bricht das Eis immer wieder und reibt sich aneinander, was kaum wahrnehmbare Schwingungen erzeugt.

Diese Vibrationen konnten die beiden Forscher zwar nicht direkt vom Eis bis in die Atmosphäre nachverfolgen. Modellierungen zeigten jedoch, dass die dauernden Brüche, die Brandung und die sonstige Arbeit des Eises die Luft zum Zittern bringen. Die entstehenden Resonanzen pflanzen sich durch die Luft fort und enden schließlich in den beobachteten langperiodischen atmosphärischen Wellen, die drei bis zehn Stunden andauern können. Verstärkt werden sie durch den tiefen Luftdruck, der in den höheren Atmosphärenschichten der Antarktis herrscht. Dieser Effekt sorgt dafür, dass das Phänomen mit Hilfe von Radardaten erfasst werden kann. Die Erkenntnis von Oleg Godin und Nikolay Zabotin könnte dazu genutzt werden, um das Ross-Schelfeis zusätzlich zu überwachen. Sollten Teile davon wegen der Erderwärmung zukünftig häufiger und raumgreifender brechen, schläft sich dies eventuell in den Wellensignalen nieder – und weist darauf hin, ob die Eisfläche zerfällt.

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