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Klima: Eisbohrkerne enthüllen weitere Details der Klimageschichte

Der Vergleich von Eisbohrkernen aus den tropischen Anden und Tibet unterstreicht den derzeit weltweit zu beobachtenden Rückzug von Gletschern trotz der Zunahme von Niederschlägen. Pflanzenreste am Rand des peruanischen Eisfeldes Quelccaya offenbaren zudem, dass der Gletscher nun seine Ausdehnung vor 5000 Jahren unterschritten hat.

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Entnahmeorte der Bohrkerne | Die untersuchten Eisbohrkerne stammen aus den südamerikanischen Anden und dem Hochplateau von Tibet. Pflanzenreste in Peru zeigen, dass ein dortiger Gletscher auf seine Ausdehnung vor 5000 Jahren geschrumpft ist.
Lonnie Thompson vom Byrd Polar Research Center und seine Kollegen fassten Daten von sieben Eisbohrkernen aus Peru, Bolivien und dem Tibetischen Hochplateau zusammen. Deutlich lassen sich an dem Sauerstoff-Isotopenverhältnis insbesondere in den südamerikanischen Proben die kühleren Temperaturen gegen Ende der Kleinen Eiszeit von 1600 bis 1820 nachweisen. Eine kalte Phase zeigt sich vor allem zwischen 1810 und 1820, als zwei Vulkanausbrüche das Klima beeiflussten. Auch das Mittelalterliche Wärmeoptimum von etwa 1200 bis 1400 zeichnet sich ab. Eindeutig ist auch zu erkennen, dass die Erwärmung in den letzten fünfzig Jahren beispiellos stark ist.

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Auf dem Rückzug | (A) Der Rückzug des Qori-Kalis-Gletschers in der Quelccaya-Region von 1963 bis 2005. (B) Rückzugswerte für sechs weitere andine Gletscher. (C) Die Bilder demonstrieren die zunehmende Größe des Gletschersees von 1991 bis 2005, der sich seit dem Rückzug des Gletschers stetig vergrößert.
Im Jahr 2002 waren die Forscher in Peru auf Überreste der Binse Distichia muscoides gestoßen, deren Blätter einer Radiokarbondatierung zufolge 5100 Jahre alt sind. Da die Pflanzen bis dahin unter dem Rand einer Eisdecke begraben und nicht zersetzt waren, müssen diese Abschnitte nun erstmals seit Jahrtausenden wieder freiliegen, erklären die Wissenschaftler. Bohrkerne aus der peruanischen Huascarán-Region zeigen für die damalige Zeit eine rapide Abkühlung mit entsprechendem Eisvorstoß, der nun unter anderem durch die steigenden Temperaturen wieder ausgeglichen wurde.

Eine Studie des unabhängigen US-Forschungsrates bestätigt zudem einmal mehr, dass die Erde auf Grund menschlicher Aktivitäten heute wärmer ist als die vergangenen 400, vielleicht sogar 1000 Jahre. Veranlasst durch den Republikaner Sherwood Boehlert und letztlich vom Kongress in Auftrag gegeben, kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass es in den vergangenen 25 Jahren vielerorts wärmer war als in irgendeiner anderen 25 Jahresperiode der vergangenen 900 Jahre. Die Temperatur der Erdoberfläche sei im letzten Jahrhundert um 0,6 Grad angestiegen, so die Forscher um Gerald North von der Texas A&M Universität. Darüber hinaus berichtet der Rat dem Kongress, dass sich die 1990er Jahre im Rückblick auf das vergangene Jahrtausend als das wärmste Jahrzehnt darstellen. Erstmals war vor fast zehn Jahren der Klimatologe Michael Mann von der Penn-State-Universität zu dem Schluss gekommen, dass sich die Erde nach langer Stabilität plötzlich abrupt auf die höchste Temperatur seit 1000 Jahren erwärmt habe.

Die jüngste Studie für den Kongress diente in erster Linie dazu, die Erkenntnisse Manns und zweier weiterer klimatologischer Untersuchungen zur Erderwärmung zu überprüfen, deren Resultate von politisch konservativen Kreisen angezweifelt worden waren. Sie sahen in den Forschungsergebnissen das Werk voreingenommener, übereifriger Wissenschaftler, welche die Regierung mit fragwürdigen Methoden zu verstärkten Maßnahmen gegen die Treibhausgase zwingen wollten. Die nach der Form als "Hockeyschlägerkurve" bezeichnete Grafik von Mann war kritisiert worden, weil die darin gezeigten Ausschläge in früheren Jahrhunderten zu flach seien.

Der Republikaner Boehlert hatte die Studie in Auftrag gegeben, nachdem Joe Barton, der den Energieausschuss der Kongresskammer leitet, ebenfalls Republikaner ist und das Ausmaß des Klimawandels in Frage stellt, eine Untersuchung gegen Mann und zwei weitere Klimaforscher in die Wege geleitet hatte. Unter anderem waren zu diesem Zweck auch Manns Computerprogramme und andere seiner Unterlagen beschlagnahmt worden.
27.06.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27.06.2006

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