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News: Eisige Kanäle auf dem Mars

Gab es nun Wasser auf dem Mars oder nicht? Ein Blick in die Antarktis löst neue Spekulationen aus. Die dortigen Eisströme bilden Strukturen, wie sie auch in den Trockentälern des roten Planeten zu finden sind.
Ein Blick auf die Marsoberfläche genügt, und es scheint kaum Zweifel daran zu geben, dass es hier einst Flüsse gab. Über die Erosionsrinnen, die den Flussbetten in unseren Wüsten so ähnlich sind, wird immer wieder spekuliert. Für die einen ist klar, dass sie durch fließendes Wasser entstanden, während andere glauben, Gasströme hätten sie geformt.

Baerbel Lucchitta vom U.S. Geological Survey stieß jetzt auf erstaunliche Ähnlichkeiten jener Trockentäler mit Erosionsstrukturen vor der antarktischen Küste. Sie entstehen durch Eisströme, welche das Inlandeis queren, bevor sie in das Schelfeis-bedeckte Meer münden und dort charakteristische Strukturen hinterlassen. Auch die Kanäle auf dem Mars befinden sich großenteils unterhalb des Meeresspiegels. Sie entspringen unregelmäßig, sind manchmal an Störungszonen gebunden und münden alle im nördlichen Tiefland, das einst von einem hypothetischen Ozean bedeckt war (Geophysical Research Letters vom 1. Februar 2001).

Die Ähnlichkeiten zwischen derlei Strukturen offenbaren sich insbesondere beim Vergleich des antarktischen Rutford-Eisstroms mit dem Trockental der Ares-Vallis-Region auf dem Mars. Ersterer fließt um eine Erhebung aus stabilerem Eis, letzteres offenbar um eine einstige Insel - und in beiden Fällen sind ganz typisch gebogene Linien zu sehen. In der Antarktis entstehen diese Muster dort, wo der Rutford-Strom in den Ronne-Eisschelf fließt. In der Ares Vallis finden sie sich genau an der Küstenlinie des ehemaligen Ozeans.

Diese Linien sind Risse, die dann entstehen, wenn sich die Energiezustände innerhalb der Eismassen verändern. Dies kann durch ein Hindernis geschehen, oder aber auch infolge der Entlastung, wenn der Eisstrom ins Meer mündet. Lucchitta vermutet, dass sich die Linien auf dem Mars nach dem Verschwinden des Eises in den Gesteinen hielten, sie schließt aber auch nicht aus, dass dieser Prozess bis heute anhält, das Eis aber unter dicken Staubschichten verborgen ist.

Es gibt noch eine Ähnlichkeit zwischen den antarktischen Kanälen und denen auf dem roten Planeten. In beiden Fällen gibt es Beispiele, wo die Fließrichtung eindeutig bergauf gerichtet ist. Fließendes Wasser ist dazu nur über sehr kurze Strecken in der Lage, während der Fluss in Eisströmen durch den Gradienten an seiner Oberfläche bestimmt wird. Sie können sich daher scheinbar entgegen der Schwerkraft bewegen.

Einen Unterschied gibt es hingegen beim Ursprung des Eises. Auf der Erde stammt es von den kontinentalen Eismassen, in denen die Eisströme Täler formen, bevor sie das Schelfmeer erreichen. Auf dem Mars lagert das Eis nach Meinung der Forscherin indes im Untergrund. Demnach kam es bisweilen zu heftigen Explosionen, in deren Folge große Mengen von Wasser freigesetzt wurden - oder werden?

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