Direkt zum Inhalt

News: Eisliebhaber

Zur Steinzeit gehörten Mammuts - und diese Elefantenverwandten gehörten ins kalte Klima der nördlichen Steppen, perfekt angepasst an deren harsche Umwelt. Forscher nahmen jetzt die fossile Spur der wärmeliebenden afrikanischen Vorfahren auf und rekonstruierten die Artbildung des nördlichen Woll- und Steppenmammuts.
Die Wiege der Mammuts stand wie die unsre in Afrika - und auch sie zog es ins kältere Eurasien, und zwar vor zweieinhalb bis drei Millionen Jahren. Drei Arten der Gattung Mammuthus entstanden nacheinander mit wachsender Anpassung an die nördlichen Breiten. Doch sie verdankten ihr Leben nicht einem langsamen, graduellen Evolutionsprozess, fanden jetzt Adrian Lister vom University College London und Andrei Sher von der Russian Academy of Sciences in Moskau anhand von Fossilien heraus.

Die Wissenschaftler wussten von drei bereits definierten Spezies: Zuerst kam Mammuthus meridionalis, die älteste und zugleich am wenigsten spezialisierte Art. Sie bevölkerte Europa bis vor 700 000 Jahren, dem frühen Pleistozän. Dann erschien das Steppenmammut (M. trogontherii), das wiederum vor 350 000 Jahren vom Wollmammut M. primigenius abgelöst wurde. Das Wollmammut und damit die ganze Gattung verschwanden endgültig mit dem Ende der Eiszeit vor rund 10 000 Jahren, ihre vollkommene Anpassung an kalte Klimate ließ ein Überleben in wärmeren Perioden nicht zu. Den Forschern blieben also nur Fossilien für ihre Untersuchungen.

Aber wie kommt man der Evolution mit ein paar Knochenresten auf die Spur? Mit den Zähnen und dem Kopf, dachten sich Lister und Sher, denn evolutionäre Mechanismen sind oft mit Fressgewohnheiten und deren Änderungen verknüpft. Durch Vergleich von Schädeln und Kiefern europäischer Mammutfunde entdeckten sie, dass diese im Verlaufe der Stammesgeschichte kürzer und höher wurden. Daraus rekonstruierten sie dann die Mechanismen der Artbildung mit Ausbreitung des Eises.

Die Forscher vermuten, dass sich Kiefer und Schädel durch Änderungen in der Pflanzenkost der Tiere umformten – mit Ausbreitung des Eises wurde der Wald zugunsten der Steppe immer mehr zurück gedrängt, und die Mammuts mussten ihre Ernährung umstellen. Bei sibirischen Mammuts zeigten sich ähnliche morphologische Veränderungen, nur tauchten die "neuen" Arten hier wesentlich früher auf als in Europa, da Sibirien nicht nur periodisch vereist war.

Dieses Kälte gewohnte asiatische Steppentier wanderte dann mit wechselndem Klima immer wieder nach Europa ein und traf dort auf seine ursprünglicheren Verwandten mit weniger Eiserfahrung. Die Begegnungen waren schicksalhaft: Perioden großer morphologischer Änderungen bei europäischen Mammuts fallen mit Migrationsprozessen aus Sibirien und Klimaänderungen zusammen, erkannten Lister und Sher. Unklar bleibt allerdings, ob das sibirische Mammut seine europäischen Cousins einfach ersetzte oder sich mit ihnen mischte und so eine Hybridform entstand.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte