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News: Eizellen behutsam gefriertrocknen

Das erste 'Retortenbaby' im Jahre 1978 sorgte noch für Schlagzeilen, heute ist die künstliche Befruchtung eine weit verbreitete Methode, um kinderlosen Paaren doch noch zum gewünschten Nachwuchs zu verhelfen. Nach wie vor problematisch ist es aber, die Eizellen über längere Zeit zu konservieren: Viele überleben das Gefriertrocknen nicht. Italienische Wissenschaftler konnten die Erfolgsquote nun aber auf ganz einfachem Wege deutlich verbessern.
Nicht immer klappt es mit dem Kinderwunsch auf "normalem" Wege. Mit Hilfe der künstlichen Befruchtung können Ärzte inzwischen vielen Paaren doch noch zum ersehnten Nachwuchs verhelfen. Die Erfolgsquote bei frisch entnommenen Eizellen liegt bei etwa 20 Prozent und damit in derselben Größenordnung wie bei Schwangerschaften ohne medizinischen Eingriff.

Schwierig wird es allerdings, wenn die Eizellen eine gewisse Zeit konserviert werden müssen. Dafür werden sie in einer Lösung aus Propandiol und Saccharose gefriergetrocknet. Viele Zellen gehen dabei zugrunde, weil sich Eiskristalle bilden, welche die Zellmembranen durchstechen.

Raffaella Fabbri und ihre Kollegen vom IVF Centre an der Human Reproductive Medicine Unit der University of Bologna präsentieren nun eine sehr einfach anmutende Lösung für dieses Problem: Sie verlängerten die Aufenthaltszeit der Eizellen in ihrem chemischen Bad von etwa zehn auf 15 Minuten und verdoppelten beziehungsweise verdreifachten den Gehalt an Saccharose. Auf diese Weise trockneten die Zellen gleichmäßiger und auch vollständiger aus als vorher. Der Erfolg lässt sich sehen: Der Anteil an Zellen, welche die Prozedur des Einfrierens und Auftauens überlebt haben, stieg von 34 auf 60 Prozent bei doppeltem Saccharosegehalt und sogar auf 82 Prozent bei der dreifachen Zuckermenge.

Keinerlei Einfluss hatte hingegen das Vorhandensein von Nährzellen, welche die Eizelle umgeben und schützen. Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass diese Zellen einen wichtigen Faktor für eine erfolgreiche Kryokonservierung darstellen.

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun die Überlebensrate der Eizellen nach dem Auftauen verbessern. Als geeignete Befruchtungsmethode schlagen sie die intracytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) vor. Bei dieser in den neunziger Jahren entwickelten Technik wird unter dem Mikroskop eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert. Wie Fabbri erklärt, kann man damit einige Probleme umgehen, die durch das Einfrieren der Eizellen entstehen – so verhärtet sich beispielsweise gelegentlich die äußere Membran der Eizelle und verwehrt so einem hoffnungsfrohem Spermium den Weg ins Innere.

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  • Quellen
Human Reproduction 16(3): 411–416 (2001)

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